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Kenia verbietet lesbischen Liebesfilm„Nicht reumütig genug“

Groß war die Freude bei Regisseurin, Crew und vielen Landsleuten, dass es zum ersten Mal ein kenianischer Film nach Cannes geschafft hat. Vergeblich.

Zum ersten Mal überhaupt hat es ein kenianischer Film in die zweitwichtigste Wettbewerbsreihe („Un Certain Regard“) von Cannes geschafft, einem der weltweit renommiertesten Filmfestivals.

Nur werden KenianerInnen „Rafiki“ (Kisuaheli für „Freund“, wie sich Homosexuelle untereinander nennen, um nicht aufzufallen) ihn leider nie zu Gesicht bekommen – es sei denn, sie fahren ins Ausland oder nehmen das Riskio in Kauf, sich strafbar zu machen.

Kurz vor Festivalbeginn verhängte die kenianische Filmzulassungbehörde ein Verbot, den Film – eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Mädchen in Nairobi – zu vertreiben, vorzuführen oder auch nur zu besitzen. Und das, obwohl ausgerechnet der Vorsitzende der Behörde Ezekiel Mutua die Regisseurin des Filmes Wanuri Kahiu kurze Zeit vorher noch überschwänglich lobte, wie der Guardian berichtet: Kahiu spreche wichtige Themen an, die die Gesellschaft sonst unter den Teppich kehre.

Das Verbot kam demnach überraschend. Es wurde begründet mit den Worten, das Ende des Films sei „zu hoffnungsvoll“ und „nicht reumütig genug“. Wobei das Ende sogar ein offenes ist: Ob die beiden Protagonistinnen Kena und Ziki – beide Töchter von rivalisierenden Politikern, aber aus unterschiedlichen Schichten – es schaffen, entgegen aller Widerstände eine Beziehung einzugehen, bleibt der Fantasie der ZuschauerInnen überlassen.

Die Behörde kritisierte, der Film würde Werbung machen für Homosexualität und diese legalisieren – entgegen der „dominierenden Werte, der Kultur und des Glaubens des kenianischen Volkes“.

Schon „Fifty Shades of Grey“ wurden zensiert

Behördenleiter Mutua bat der Regisseurin, die lange in den USA gelebt hat, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte – weil Afrika sie mehr inspiriere, wie sie im Interview mit France24 erzählt –, das Ende des Films zu ändern. Sie entschied sich dagegen: „AfrikanerInnen als traurig und verzweifelt darzustellen, ist weder mein Stil noch mein Ethos“, sagte sie der New York Times.

Über die Einladung nach Cannes freue sie sich, allerdings sei sie sehr enttäuscht darüber, dass ihr Film einem kenianischen Publikum vorenthalten bliebe, sagte sie der Nachrichtenagentur reuters. „Das ist tragisch, denn niemand versteht die Sprache, die Nuancen und das Setting so gut wie KenianerInnen. Für die haben wir den Film eigentlich gemacht.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die kenianische Filmzulassungbehörde Werke zensiert. So wurden der New York Times zufolge bereits „Fifty Shades of Grey“, „The Wolf of Wall Street“ und ein in Kenia entstandener Remix des Musikvideos „Same Love“ von Macklemore & Ryan Lewis verboten.

Regisseurin Kahiu gibt sich im Gespräch mit France24 dennoch hoffnungsvoll, dass sich Kenia schon bald Homosexualität gegenüber öffnet. „Wir haben schließlich die Werte Friede, Liebe und Einheit in unserer Verfassung stehen.“

Noch ist Homosexualität in Kenia offiziell verboten. Auf gleichgeschlechtlichen Sex stehen bis zu 14 Jahre Gefängnis – ein Gesetz, das noch aus der Kolonialzeit stammt. Womöglich wird das Gesetz bald gekippt, ein Gericht befasst sich aktuell damit. Bereits kassiert wurde der New York Times zufolge kürzlich ein Gesetz, das der Polizei anale Kontrollen zum Nachweis von Sex unter Männern gestattete.

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