Kampf gegen das Corona-Virus: Italien schließt fast alle Fabriken

Die Regierung ordnet an, dass alle nicht lebensnotwendigen Firmen die Arbeit einstellen müssen. Inzwischen sind in Italien 4.800 Infizierte gestorben.

Tauben auf einem großen Platz vor einem Dom

Szene in Mailand: Wenn die Menschen zuhause bleiben müssen, haben die Tauben Platz Foto: Antonio Calanni/ap

ROM taz | Italiens Regierung verschärft die Gangart im Kampf gegen das Coronavirus weiter und legt jetzt auch die meisten Fabriken des Landes still. Am späten Samstagabend verkündete Ministerpräsident Giuseppe Conte in einer Ansprache ans Volk: „Wir haben beschlossen, jedwede produktive Aktivität zu schließen, die nicht unverzichtbar ist, um lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen zu garantieren“.

„Keine Alternative“ gebe es zu den „strengen Maßnahmen“, führte Conte aus, „der Verzicht von heute wird uns morgen das Durchstarten erlauben“. Wann dieses Morgen kommt, steht allerdings in den Sternen. Die neue Verordnung soll erst einmal bis zum 3. April gelten, doch alle gehen davon aus, dass es dabei nicht bleibt.

Nach der am 11. März erfolgten Schließung aller Läden, die nicht Lebensnotwendiges verkaufen, nimmt die Regierung sich jetzt die Industrie vor, nicht zuletzt, weil der Schwerpunkt des produzierenden Gewerbes im Norden liegt, ausgerechnet in jenen Regionen wie der Lombardei und der Emilia Romagna, wo die Epidemie am stärksten wütet. Conte handelte nicht zuletzt unter dem Eindruck der am Samstagabend vom Zivilschutz bekanntgegebenen neuen Zahlen. In nur 24 Stunden musste Italien 793 neue Todesfälle bilanzieren, allein auf die Lombardei entfielen 546 von ihnen. Die Gesamtzahl der Toten lag damit bei 4.800, die der erfassten Infizierten im Land bei 53.500.

Weiter offenbleiben werden vorneweg Landwirtschaftsbetriebe, die pharmazeutische und die Lebensmittelindustrie, aber auch die Hersteller von Verpackungsmaterialien, die Energieerzeuger, die Petrochemie sind von der Schließung nicht betroffen. Eingestellt wird dagegen die Produktion etwa von Haushaltsgeräten, von Bekleidung, Möbeln, Luft- und Raumfahrttechnik oder Kraftfahrzeugen. Weiterarbeiten werden dagegen die Speditionen, und auch der öffentliche Nah- und Fernverkehr bleibt aktiv. Allerdings hat es hier schon drastische Reduzierungen gegeben. So fahren von Rom Richtung Mailand nur noch zwei Hochgeschwindigkeitszüge pro Tag ab.

Druck aus dem Norden

Die Regierung beugt sich mit der weitgehenden Schließung der Fabriken vor allem den Regionalgouverneuren und vielen Bürgermeistern aus dem Norden, die lautstark verlangten, „alles zu schließen“. Aber auch die Gewerkschaften hatten unter dem Druck ihrer Basis umfassende Stilllegungen verlangt, um die Beschäftigten nicht weiteren Infektionsrisiken auszusetzen.

Die Metallgewerkschaften informierten in den letzten Tagen darüber, dass etwa in Mailand 15 Firmen weiter offen blieben, obwohl unter den Beschäftigten Coronafälle aufgetreten waren. Außerdem habe sich in vielen Unternehmen der Krankenstand dramatisch erhöht – werde aber durch die Anheuerung von Leiharbeitern ausgeglichen.

Vor diesem Hintergrund hatten sich Streiks gemehrt. Zum Beispiel die Karosseriebaufirma Fontana Pietro in der lombardischen Provinz Lecco beschloss die Schließung, da ihre Arbeiter in den Ausstand getreten waren. Die Firma Dema aus Neapel dagegen, die im Luftfahrtsektor als Zulieferer für Boeing und Airbus arbeitet, antwortete auf den Streik der Beschäftigten mit dem Angebot, jedem 100 Euro Tagesprämie zu zahlen, wenn er weiter arbeitet. Solche, in den Augen der Gewerkschaften unmoralischen, Angebote werden mit dem neuen Regierungsdekret jetzt hinfällig.

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