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Kabul bereitet sich vor

Während viele Afghanen aus Furcht vor einem US-Angriff die Hauptstadt verlassen, starten die Taliban eine neue Offensive gegen die Opposition im Norden des Landes

DELHI taz ■ Nach dem Abzug der meisten Ausländer aus Afghanistan stellen sich die Taliban auf Vergeltungsschläge der USA ein. Für den Fall eines amerikanischen Angriffs kündigte ein Sprecher ihres Führer Mullah Mohammed Omar an, sie würden „alle Mittel nutzen, um Rache zu üben“. Gleichzeitig stellte er Pakistan „sehr ernsthafte Konsequenzen“ in Aussicht, falls dieses mit den USA zusammenarbeite. Für die Taliban bilden die Attentate vom 11. September nur den Vorwand, auf den die USA gewartet hätten, um „das ganze System auszulöschen“.

In Islamabad verlas der Taliban-Botschafter am Freitag ein Schreiben Omars, in dem dieser erneut beteuerte, Ussama Bin Laden komme als Urheber der Terrorakte nicht in Frage, „weil Ussama keine Piloten“ habe. Bereits zuvor hatte er eine Beteiligung der Millionärs ausgeschlossen, weil die Taliban ihm alle Kommunikationsmittel entzogen hätten, so dass er nicht fähig sei, „mit der Außenwelt in Kontakt zu treten“.

Am Freitag leiteten die Taliban eine neue Offensive gegen die Opposition im Lande ein. Rund 1.000 Soldaten sollen laut der Nachrichtenagentur AIP mit Panzern und Artillerie gegen die so genannte Nordallianz in der Provinz Takhar vorrücken.

In Kabul bereiteten sich gestern viele Afghanen darauf vor, die Hauptstadt zu verlassen. Man könne fühlen, wie der Tod sich anschleiche, sagte ein Bäcker der Nachrichtenagentur Reuters.

Zu den wenigen verbliebenen Ausländern in Afghanistan zählen – neben einigen Vertretern des IKRK – die acht verhafteten Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Shelter Now International“. Laut Aussagen von Diplomaten sollen sie im angelaufenen Prozess auf den Rechtsbeistand eines pakistanischen Anwalts zählen können. Mit dem Abzug der ausländischen Vertreter der humanitären Organisationen, darunter jener aus islamischen Ländern, kommen auch die Lieferungen von Nahrungsmitteln an die Hunger leidende Bevölkerung zum Stillstand. In London erklärte der Vertreter der Organisation „Christian Aid“ gegenüber der BBC, 5,5 Millionen Menschen – rund ein Viertel der Bevölkerung Afghanistans – seien vom Hungertod bedroht, falls der Nachschubstopp anhalte.

BERNARD IMHASLY

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