Japans Olympia-Organisationschef: Goldmedaille für Sexismus

Yoshiro Mori äußert sich frauenfeindlich, aber die Politik hält ihn für unersetzbar. In der angespannten Lage ist er die bequemste Lösung.

Yoshiro Mori mit Maske vor einer Werbewand, auf der "Tokyo 2020" steht

„Vielleicht bin ich ein Fossil“, schreibt Yoshiro Mori. Und will doch nicht gehen Foto: Takashi Aoyama/reuters

Japans oberster Olympia-Manager habe die erste Goldmedaille der Sommerspiele geholt, und zwar in der Disziplin Sexismus – so kommentierten japanische Twitter-Nutzer die frauenfeindlichen Bemerkungen von Yoshiro Mori, Präsident des Organisationskomitees.

Ausschusstreffen mit vielen Frauen dauerten länger, weil sie miteinander rivalisierten und alle sprechen wollten, lautete sein geringschätziger Kommentar zur geplanten Verdoppelung der Frauenquote auf 40 Prozent. Als ein Sturm der Entrüstung in den sozialen Medien losbrach, entschuldigte sich der 83-Jährige nur halbherzig und lehnte einen Rücktritt ab: „Vielleicht bin ich ein altes Fossil, das weggefegt gehört, aber ich habe (für die Spiele) sieben Jahre lang hingebungsvoll gearbeitet“, erklärte er.

Es war auch nicht seine erste chauvinistische Äußerung. Einmal empörte sich der ultrakonservative Politiker, dass kinderlose Frauen im Alter Sozialhilfe bekämen, obwohl sie ein „schönes (kinder-) freies“ Leben gehabt hätten. Ein anderes Mal warf er einer Konkurrentin im Wahlkampf vor, die Opposition habe sie nur wegen ihres „schönen Körpers“ aufgestellt. Als Premier ab April 2000 war er extrem unpopulär und musste nach einem Jahr gehen.

Auch diesmal möchten ihn viele Japaner gerne zum Teufel jagen. Bei einer Umfrage forderten 60 Prozent seinen Rücktritt. Über tausend Japaner beschwerten sich per Telefon und Mail direkt beim Komitee über ihn, fast 400 freiwillige Olympia-Helfer wollen als Zeichen des Protests ihr Ehrenamt nicht mehr antreten. Doch aus Moris Umfeld rüttelte niemand an seinem Stuhl. Für die Olympia-Ministerin und siebenfache Olympia-Teilnehmerin Seiko Hashimoto reicht es aus, wenn er sich nicht wiederhole. Auch das IOC hakte den Vorfall ab.

Mann mit starkem Netzwerk

Das Festhalten an Mori erklärte die Zeitung Mainichi mit dessen starkem Netzwerk: Er saß 43 Jahre im Parlament, gehört der mächtigsten Gruppe in der Regierungspartei LDP an und kennt als langjähriger Rugbyverbands-Chef alle Sportpolitiker und -funktionäre.

Gerade jetzt, wo die Austragung der Spiele erneut auf Messers Schneide steht, will man auf Mori nicht verzichten. Viele halten ihn für „unantastbar“, sagte Kaori Yamaguchi, Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee und Mori-Kritikerin. So auch das IOC – „Die Zusammenarbeit mit einem Diktator läuft eben viel schneller“, so sagt es Yamaguchi.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de