James Bond und das Klima

Zwischen uns ist es aus, James!

007 stand für die Weltrettung mit Fun und Action. Jetzt zeigt sich: Auch James Bond ist ein Klimaschwein, das die Befehle der Oberschurken ausführt.

Daniel Craig als James Bond

Ein Klimaschurke ersten Ranges: der saubere Mr. Bond Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Oh James! How dare you? Wir dachten immer, Du kämpfst mit uns darum, die Welt zu retten. Du im Dienst Ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten. Diese kleine Kolumne im Dienst der Ökolozität mit dem Auftrag, das Töten zu verhindern. Wir haben uns getäuscht.

Denn Du bist offenbar nicht nur ein eiskalter Killer und ein sexistischer Schürzenjäger, Du bist auch noch ein Klimaschwein! Insgesamt 55 Tonnen CO2 hast Du durch Deine 338.000 Flugmeilen in den James-Bond-Filmen verursacht, hat jetzt die PR-Agentur Blueclaw ausgerechnet.

Der schlimmste Coalfinger war demnach Roger Moore, rasant verfolgt von Daniel Craig: 98.000 Meilen in 630 Filmminuten. Und das sind nur die Flüge. Nicht berechnet ist die CO2- und Feinstaub-Bilanz, wenn Du mal wieder mit Vollgas die Schurken verfolgst, Raketen starten lässt oder halbe Städte in die Luft jagst.

Wir hätten Dir nicht so treu sein sollen wie Miss Moneypenny. Immer waren die Bösen die Russen, Nordkoreaner oder Chinesen. Oder die Durchgeknallten, die Drogenbosse, die gierigen Kapitalisten.

Die CO2-Bilanz des Superagenten ist ruinös

Mit Dir war die Weltrettung kein verzichtgetriebenes Knäckebrotgeknabber im Schlabberpulli, sondern Fun and Action im Smoking: Sich durch die Lande prügeln, die irrsten Technologien besitzen, die heißesten Frauen abschleppen und dabei mit dem britischsten aller Understatements die coolsten Sprüche von sich geben. Und wir waren sicher: Auch wenn Dich gleich der Hai frisst, der Beißer Dir das Genick bricht oder der Laser Deine empfindlichsten Teile verdampft – drei Sekunden vor dem Weltuntergang stoppst Du garantiert die Katastrophe.

Heute wissen wir: Diese Party ist vorbei. Nicht nur Deine CO2-Bilanz ist ruinös. Die freie Welt wird von genau den schmierigen Horrorclowns regiert, die bisher Deine Todfeinde waren. Die Regierung Ihrer Majestät, der Du Dein 007 verdankst, ist nicht mal mehr 08/15.

Und die echten Bedrohungen für den Weltfrieden und die British Way of Life sind Klimawandel, Artensterben, Waldvernichtung, Plastikmüll und Chemiedreck. Die sind nicht so einfach zu entschärfen wie eine Atombombe in einem brennenden U-Boot.

Um die Welt tatsächlich zu retten, brauchen wir andere Superhelden. Zum Glück tauchen die jetzt gerade wieder auf. Sie kommen ohne fossile Rohstoffe aus, ernähren sich biologisch, schätzen soziale Kontakte über alles, nutzen weder Auto noch Flugzeug und balancieren ihre nachhaltige Entwicklung zwischen Wildschwein und Widerstand. Und im Gegensatz zu Deinem Kadavergehorsam zeigen sie die einzig zukunftsfähige Haltung gegegenüber den Großen und Mächtigen: „Die spinnen, die Römer!“

Einmal zahlen
.

Jahrgang 1965. Seine Schwerpunkte sind die Themen Klima, Energie und Umweltpolitik. Wenn die Zeit es erlaubt, beschäftigt er sich noch mit Kirche, Kindern und Konsum. Für die taz arbeitet er seit 1993, zwischendurch und frei u.a. auch für DIE ZEIT, WOZ, GEO, New Scientist. Autor einiger Bücher, Zum Beispiel „Tatort Klimawandel“ (oekom Verlag) und „Stromwende“(Westend-Verlag, mit Peter Unfried und Hannes Koch).

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben