piwik no script img

Jamaikas Harmonie ist vorbei

Steuern FDP provoziert mit Wünschen nach Freibetrag für Hauskäufer den ersten handfesten Krach in der Kieler Koalition. Grüne Finanzministerin koffert umgehend zurück

Die Flitterwochen auf Jamaika sind vorbei. Den ersten handfesten Krach in der seit Ende Juni amtierenden schleswig-holsteinischen Landesregierung aus CDU, Grünen und FDP hat am Donnerstag der liberale Wirtschaftsminister Bernd Buchholz vom Zaun gebrochen. Beim Norddeutschen Immobilientag kündigte er laut Hamburger Abendblatt eine Bundesratsini­tiative der Landesregierung an mit dem Ziel, Ersterwerber einer selbst genutzten Wohnimmobilie bis zu einem Kaufpreis von 500.000 Euro von der Grunderwerbssteuer freizustellen. „Eigentum ist die beste Altersvorsorge“, begründete Buchholz.

Die grüne Finanzministerin Monika Heinold stellte umgehend klar, dass sie eine solche Einmischung in ihr Ressort nicht dulde: „Die von Herrn Buchholz heute angekündigte Bundesratsinitiative gibt es in dieser Form nicht und wird es mit uns definitiv nicht geben. Wir setzen den Jamaika-Koalitionsvertrag um und nicht das FDP-Wahlprogramm.“ Grund für ihre Ablehnung sei, dass „Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer ohne Gegenfinanzierung den Landeshaushalt massiv belasten würden. Deshalb ist dies im Koalitionsvertrag auch nicht verabredet worden“, so Heinold. Vereinbart sei hingegen eine Bundesratsinitiative zur Schließung von Steuerschlupflöchern bei der Grunderwerbssteuer, durch die Schleswig-Holstein pro Jahr etwa 100 Millionen Euro verliere, stellte Heinold klar.

Diese erste Kraftprobe zwischen den beiden kleinen Koalitionspartnern versuchte ein Sprecher der Landesregierung zu relativieren. Natürlich gelte nur der Koalitionsvertrag. Buchholz ließ seine Sprecher mitteilen, seine Äußerung sei nur eine Anregung gewesen und zudem eine lupenreine FDP-Position. Genau das ist ja auch der Grund für die gelb-grünen Muskelspiele. Sven-Michael Veit

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen