Iván Barton: Ein Lichtblick unter den Fifa-Schiedsrichtern
Bei der WM wimmelt es nur so vor Eingriffen der VAR und Fehlentscheidungen. Halbfinal-Referee Iván Barton sticht dagegen heraus.
Bei keiner Weltmeisterschaft zuvor standen die Schiedsrichter so im Rampenlicht wie diesmal. Plötzlich kennt jeder ihre Gesichter – genau das, was ein Unparteiischer eigentlich vermeiden will. Normalerweise gilt: Je weniger sie bemerkt werden, desto besser haben sie gepfiffen.
Doch statt „Boah, guck mal, wie der Bellingham aufdreht. Der führt England noch zum Titel, wart's ab“ hört man jetzt eher: „Ach guck, da pfeift doch wieder der, der die Argentinier damals durchgewunken hat.“ Oder: „Wie bitte? Der darf immer noch pfeifen? Der hat doch Norwegen mit rausgekegelt.“
Die WM in Nordamerika gerät bisher zum Schiri-Chaos. Eine Panne jagt die nächste, und inzwischen ist sogar der fast unantastbare Pierluigi Collina, Chef der Fifa-Schiedsrichterkommission, unter Druck. Nur einer dürfte am Ende mit erhobenem Haupt aus dem Schlamassel hervorgehen: der salvadorianische Schiedsrichter Iván Barton.
Seinen großen Moment erlebte Barton im Gruppenspiel zwischen der Türkei und Paraguay. Eine historische Entscheidung: Zum ersten Mal flog ein Spieler vom Platz, weil er sich beim Sprechen den Mund zugehalten hatte. So legendär wie die Entscheidung selbst war Bartons Verkündung. Über die Lautsprecher hallte seine Stimme durch das Stadion in San Francisco: „After review, number 10, Paraguay, covered his mouth. Decision is red card.“ Paraguays Zehn, Miguel Almirón, verließ daraufhin direkt das Feld. Kein Protest. Kein Diskutieren. Kein verzweifeltes Zeigen aufs Vereinswappen. Bartons Ansage wirkte.
Sein größtes Spiel
Hätte Barton Almirón eine Woche Hausarrest verordnet, hätte der sich wohl freiwillig im Teamhotel eingeschlossen und die Playstation ohne Widerrede vor die Tür gestellt. Selbst Friedrich Merz könnte sich bei Barton noch etwas abschauen: „After review: All Germans work less than they should. Decision: Sechs-Tage-Woche.“ Jeder würde sofort folgen.
Nun wartet auf den 35-jährigen Chemielaboranten aus Santa Ana die größte Bühne seiner bisherigen Karriere: Er pfeift das Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien. Bereits sein siebter Einsatz bei einer Weltmeisterschaft – und mit Abstand der prestigeträchtigste. Verdient, findet zumindest MagentaTV-Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich: „Der Schiedsrichter aus El Salvador, der nun wirklich nicht in der größten Liga der Welt pfeift, hat die Spiele bisher sehr souverän geleitet. Der macht einen richtig guten Job.“ Während das Turnier viele dunkle Schatten auf die Schiedsrichter wirft, bleibt Barton ein kleiner Lichtblick.
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