Israelische Militäroperation in Syrien: Erneute Vorstöße der israelischen Armee in Südwestsyrien
Israelische Streitkräfte haben am Donnerstag an mehreren Orten in Südwestsyrien Razzien durchgeführt. Dabei kam ein Mann uns Leben.
Foto: Omar Sanadiki/ap
Mindestens drei Militäroperationen in 24 Stunden sollen die Region zwischen Quneitra und Dara’a in Südwestsyrien erschüttert haben. Nach Angaben von Einwohner:innen und lokalen Medien haben israelische Streitkräfte an mehreren Orten Razzien durchgeführt und dabei auch geschossen. Ein Mann mit geistiger Beeinträchtigung wurde dabei offenbar von einer Kugel tödlich getroffen.
Wie mehrere arabische Medien berichten, postierten israelische Truppen während einer Razzia im Dorf Jamla, 33 Kilometer südlich von Quneitra und 30 westlich von Dara’a, Scharfschützen auf den Dächern von Wohnhäusern. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana zitierte das syrische Außenministerium zum Tod des Mannes: Demnach seien die „israelischen Besatzungsbehörden für dieses Verbrechen voll verantwortlich“. Außerdem verletzten die anhaltenden israelischen Vorstöße die Souveränität des Landes und bedrohten die Stabilität der Region.
Syrien
Die über 50-jährige Gewaltherrschaft der Assad-Familie ist seit 2024 Geschichte. Baschar al-Assad ist nach Russland geflüchtet, nachdem Rebellen das Regime gestürzt haben. Derzeit amtiert die Übergangsregierung von HTS-Führer al-Scharaa.
Das israelische Militär schrieb auf Nachfrage, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hätten Soldat:innen Operationen in Südsyrien durchgeführt. Dabei hätten sie jemanden gesehen, der auf sie zuging, und ein „Verfahren zur Festnahme des Verdächtigen“ eingeleitet. Als sich der Mann ihnen weiter genähert habe, hätten sie das Feuer eröffnet. Das Geschehen werde gerade untersucht. Die Frage nach dem Grund der Razzia ließ die Armee unbeantwortet.
Israelische Angriffe in Syrien nehmen zu
Am selben Tag meldeten regionale Medien zwei weitere Vorfälle. Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hat die israelische Armee ein verlassenes Haus in der Provinz Quneitra in die Luft gejagt und mit Maschinengewehren auf bestelltes Land nahe dem Dorf Hamidiyah geschossen. Ähnliches sollen israelische Soldat:innen im Dorf Kudna getan haben. Wieso, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage ließ das israelische Militär ebenfalls unbeantwortet.
Bei einer Razzia im Dorf Turnejeh haben israelische Soldat:innen außerdem Häuser durchsucht und einen Mann festgenommen.
Die israelischen Angriffe in Südsyrien nehmen zu, das vermelden Medien und die staatliche Nachrichtenagentur Sana. In der vergangenen Woche gab es mehrere Razzien und Festnahmen. Ein Einwohner aus Quneitra, der anonym bleiben möchte, sagt: „Die aktuelle Lage ist angespannt und die Menschen leben in einem Zustand der Unsicherheit. Niemand verteidigt oder beschützt uns.“ Die Bevölkerung werde terrorisiert, Olivenbäume zerstört und Häuser in Brand gesteckt. Wieso, das wisse er nicht.
Eskalation vor den Wahlen in Israel
Mohammad al-Fayyad, ein syrischer Aktivist aus der Region, findet, das israelische Militär eskaliere gerade die Lage mit seinen Operationen. „Kampfjets sind ständig präsent im syrischen Luftraum.“ Für ihn hängt dies mit den kommenden Wahlen in Israel zusammen. Am 27. Oktober wählt das Land ein neues Parlament. „[Premierminister Benjamin] Netanjahu versucht, die Wahlen zu gewinnen, und benutzt die drusische Gemeinschaft in Südsyrien als Vorwand, um hier mitten im Wahlkampf einzugreifen.“
Nach dem Fall des Assad-Regimes in Syrien vor knapp zwei Jahren hat Israel laut NGOs mehr als 1.000 Luftschläge auf das Nachbarland durchgeführt. Bomben fielen sogar auf Ziele in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Zudem ist die israelische Armee in Gebiete jenseits der besetzten Golanhöhen einmarschiert und hat diese de facto besetzt. Mehr als 1.000 Vorstöße und Razzien in der Region hat die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte seither dokumentiert. Hunderte Syrer:innen wurden festgenommen und in israelische Gefängnisse gebracht, Einwohner:innen aus ihren Häusern vertrieben – was NGOs als Verletzungen des Völkerrechts anprangern.
Angebliches Ziel: „Entmilitarisierung“ Südsyriens
Die israelische Regierung rechtfertigt das Vorgehen mit dem Willen, Südsyrien zu „entmilitarisieren“, Drus:innen zu schützen und Terrorangriffe auf Israel zu verhindern. Die Festgenommenen stünden meist im Verdacht, militant zu sein oder Terrorangriffe auf Israelis zu planen. Verteidigungsminister Israel Katz hat angekündigt, „auf unbestimmte Zeit“ in Syrien zu bleiben.
Die syrische Regierung hat wiederholt erklärt, die Besatzung verletze die Souveränität des Landes, und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Druck auszuüben, damit sich Israel zurückziehe. Zugleich betonte Präsident Ahmed al-Scharaa, Israel nicht angreifen zu wollen und ein Sicherheitsabkommen mit dem Nachbarland anzustreben.
Derweil sind im ganzen Land Proteste gegen die israelischen Vorstöße und die Tötung des Mannes in Jamla ausgebrochen. In Idlib, Homs, Damaskus und Dara’a gingen die Menschen auf die Straße. Wie Medien berichten, forderten die Demonstrierenden mehr Sicherheit und ein Ende der israelischen Angriffe.
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