Irankrieg verteuert Frachtraten: 130 Containerschiffe liegen fest
Der Krieg im Nahen Osten verteuert nicht nur Energie. Auch die Kosten für andere Seetransporte steigen – und damit die Preise für viele Waren.
Die Frachtraten für Containerschiffe kennen nur noch eine Richtung: steil nach oben. Bereits die vierte Woche in Folge ist der Leitindex WCI (World Container Index) des Londoner Beratungsunternehmens Drewry gestiegen. Dieser misst die Kosten für den Versand einer vollen 40-Fuß-Containerladung auf den acht wichtigsten globalen Seeverkehrsrouten und wird wöchentlich aktualisiert.
Die Gebühren für den Transport per Frachter haben für die Festsetzung der Preise von Waren und Gütern im Welthandel eine hohe Bedeutung. 90 Prozent der globalen Warengeschäfte laufen über Seewege. Die jetzige Kriegsregion am Persischen Golf spielt dabei in Friedenszeiten eine bedeutende Rolle. Der Hafen von Dschabal Ali in Dubai bewegte 2024 15,5 Millionen Standardcontainer. Das sind etwa doppelt so viele, wie im Hamburger Hafen umgeschlagen werden.
Inzwischen beträgt der WCI 2.279 US-Dollar. Am 26. Februar – zwei Tage vor dem Start der Angriffe von Israel und den USA auf Iran – stand er noch bei 1.899 US-Dollar. Die höchste Frachtrate ist gegenwärtig auf der Strecke von Shanghai nach Genua zu berappen. Sie erhöhte sich binnen einer Woche um 12 Prozent auf nunmehr 3.474 US-Dollar pro 40-Fuß-Container. Für die Strecke von Shanghai nach New York sind mittlerweile 3.393 US-Dollar fällig, die Route von Shanghai nach Los Angeles kostet 2.686 US-Dollar, die von Shanghai nach Rotterdam 2.552 US-Dollar. Die Tendenz auf allen Routen: weiter steigend.
Auch der SCFI (Shanghai Containerized Freight Index) der Shanghaier Börse (SSE), der abbildet, was Containerschiffe von Shanghai zu gut einem Dutzend der wichtigsten Ziele weltweit zu zahlen haben, ist seit Ende Februar um fulminante 600 Punkte auf 1.826,77 Punkte gestiegen.
Frachtraten nicht das einzige Problem
Geradezu explodiert sind zuletzt zudem die Frachtraten für Öltanker. Für Supertanker mit einer Ladekapazität von 300.000 Tonnen Rohöl schossen sie zuletzt in der Spitze auf über 700.000 US-Dollar pro Tag in die Höhe. Dies verteuert nicht nur den Energieträger selbst, sondern in der Folge auch die mit dessen Hilfe produzierten und transportierten Waren und Güter.
Eine Schlüsselrolle für den Preiszuwachs für den Seetransport spielt die Straße von Hormus. Iran hat die für die internationale Handelsschifffahrt eminent wichtige Route quasi gesperrt. Die Durchfahrt von Schiffen erfolgt seither nur noch in äußerst begrenztem Umfang. Derzeit stecken weiterhin etwa 130 Containerschiffe im Persischen Golf fest.
Die Gebühren sind dabei nicht das einzige Problem für die Schiffseigner und Logistikbetriebe. Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd etwa, die mit insgesamt 287 Containerschiffen in der aktuellen Weltrangliste der größten Containerreedereien auf Platz fünf liegt, bestätigt, dass sechs ihrer Schiffe in der Region festsitzen.
Routen werden vorab gestrichen
Dies kostet sie eine Menge Geld. Für Schiffstreibstoff, Versicherungsprämie sowie Containerlagerkosten der blockierten Kähne muss die Reederei nach eigenen Angaben täglich in Summe etwa 1 Million US-Dollar aufbringen. Hinzu kommt jetzt schon ein Kapazitätsausfall von etwa 25.000 TEU, nur bei Hapag-Lloyd wohlgemerkt – TEU ist die Standardmaßeinheit in der Schifffahrt und entspricht einem 20-Fuß-Standardcontainer.
Auch viele neue Fahrten, die jetzt erst losgehen sollten, fallen aus, solange der Krieg dauert beziehungsweise keine Lösung gefunden ist. Laut dem Analyse-Tool Container Capacity Insight haben global agierende Reedereien allein für diese Woche drei Fahrten auf der Route von Asien nach Europa sowie weitere sechs Touren auf den transatlantischen Strecken von Europa in die USA gestrichen. Dies verknappt die Transportkapazitäten für Lebensmittel und andere Waren weiter.
Wer trotz allem durch die Straße von Hormus will, muss sich mit Iran verständigen. Dabei müssen die Schiffe etablierte Routen verlassen und stattdessen mit einer Eskorte der iranischen Revolutionsgarden näher am Festland vorbeifahren. Dafür wird nun offenbar pro Schiff eine „Transitgebühr von bis zu 2 Millionen US-Dollar“ fällig, wie es dazu aus Teheran heißt. Bereits mehrere Schiffe sollen für ihre Durchfahrt eine unbekannte Summe in chinesischen Yuan gezahlt haben. Für die kommenden Tage und Wochen bedeutet das immer weiter steigende Frachtraten.
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