Institut für Rundfunktechnik: Ausgeforscht

Öffentlich-Rechtliche sollen in Sachen Technik zusammenzuarbeiten, heißt es oft. Das zuständige Institut für Rundfunk­technik wird nun abgewickelt.

Das Gebäude des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) in München

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München Foto: Ekkehard Winkler/dpa/picture alliance

Was macht man, wenn man als Öffentlich-Rechtliche von der Politik aufgefordert wird, enger zusammenzuarbeiten? Gerade in Sachen Technik die Synergien zu heben und es dazu sogar ein gemeinsames Institut gibt? Genau, man macht es dicht.

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) müsste eigentlich jede/r kennen. Denn vom IRT kam revolutionäre Technik wie das Videokompressionsverfahren MPEG, ohne das die Digitalisierung alt aussähe. Kam, weil sich das IRT seit Anfang 2021 in Liquidation befindet, also abgewickelt wird.

Das IRT gehörte bislang allen Öffentlich-Rechtlichen inklusive Schweiz und Österreich. Seine Tech­ni­ke­r*in­nen haben am Farbfernsehen oder dem Blue-Screen-Verfahren für Filmaufnahmen mitgearbeitet. An den Mikrofonen, wie sie im Bundestag stehen und ohne die die Politik keine Ansagen machen könnte. Und am erwähnten MPEG-Standard, für den es 2000 sogar einen Emmy-Award gab.

Das IRT hat also jede Menge Sinn ergeben. Und hätte für ARD, ZDF & Co. sogar eine passable Einnahmequelle sein können. Es war an Patenten beteiligt, die ordentlich Geld brachten. Bloß kam davon beim IRT kaum etwas an. Denn die Patentrechte verwertete ein Anwalt im Auftrag des IRT so gekonnt, dass rund 200 Millionen Euro in andere Kassen flossen. Ende 2017 platzte die Bombe, der Anwalt wanderte vorübergehend hinter Gitter. Doch dann kam die nächste Überraschung. Laut Staatsanwaltschaft sei die IRT-Geschäftsleitung selber gar nicht so ahnungslos gewesen und habe unter anderem mit dem Anwalt eine Aufteilung der Patenterlöse vereinbart, die den Betrug leichter gemacht hätte.

Unfromme Ausrede

Es folgte, was man halt so macht, um Skandale in den Scart zu drücken. Der IRT-Geschäftsführer ging flux gesundheitsbedingt in den Ruhestand. Mit dem Patentanwalt wurde ein Vergleich geschlossen, 60 Millionen Euro fanden ihren Weg zurück. Bleiben 140 Millionen übrig, von denen bis heute erstaunlich wenig die Rede ist. Beim KiKA-Skandal, der monatelang die Republik erregte, ging es gerade mal um rund 10 Millionen.

Und die Gesellschafter, also die Anstalten und ihre Intendant*innen, die von alledem nichts mitbekamen? Sie ließen das IRT mit seinen 140 Mit­ar­bei­te­r*in­nen nach einigem Hin und Her über die Klinge springen. Auf dass Gras über die Sache wachse. So eine Einrichtung brauche es nicht mehr, begründete das Hyperlink:=ZDF seinen Rückzug, dem andere dankbar folgten.

Dass diese unfromme Ausrede Quatsch ist, sagen etwa Experten des Fraunhofer Instituts. Das Aus des IRT sei eine Schwächung des Forschungsstandorts Deutschland. Die IRT-Mitarbeiter*innen, die Ende März ihre Arbeit einstellen, fragen sich nun, was aus ihrer Forschung wird – und wie der Technik-Schatz des IRT gesichert werden kann.

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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