Indisches Gesetz gegen Leihmutterschaft: Keine Babys mehr aus Indien
Indien ist bei Ausländern mit Kinderwunsch beliebt. Die Regierung plant ein Verbot der Leihmutterschaft für Ausländer, Ledige und Homosexuelle.
Foto: reuters
epd | Indiens Regierung plant ein vollständiges Verbot der kommerziellen Leihmutterschaft. Das Kabinett stimmte am Mittwoch in Neu-Delhi einem entsprechenden Gesetzesentwurf zu, wie die Times of India berichtete. Danach dürfen nur noch indische Paare, die seit mindestens fünf Jahren verheiratet sind, ein Baby von einer anderen Frau gegen Geld austragen lassen.
Homosexuellen, Ledigen, unverheirateten Paaren und Ausländern soll es künftig verboten sein, eine solche Leistung in Anspruch zu nehmen. Als Leihmütter kommen zudem nur noch enge Verwandte eines Paares infrage. Für das Paar selbst gelten zudem Altersbeschränkungen.
Indien war lange Zeit als Ziel für Ausländer mit unerfülltem Kinderwunsch beliebt, weil das Austragen eines Kindes von einer fremden Frau dort deutlich billiger war als irgendwo sonst auf der Welt. Zudem war die Leihmutterschaft in der Praxis kaum reguliert.
Überraschend hatte im Oktober 2015 der indische Rat für medizinische Forschung die Fertilitätskliniken angewiesen, ab sofort ihren Service nur noch indischen Ehepaaren anzubieten und damit der Milliarden-Industrie rund um Kinderwünsche von Paaren aus der ganzen Welt einen harten Schlag bereitet. Ausländer, Unverheiratete und gleichgeschlechtliche Paare wurden in den indischen Kliniken seither abgewiesen. Nun wird diese neue Praxis offenbar Gesetz.
Immer wieder hatte in der Vergangenheit Leihmutterschaften und Eizell-Spenden in Indien für Probleme gesorgt. Ein Ehepaar aus Bayern, dass 2008 Zwillinge in Indien durch eine Leihmutter austragen ließ, harrte zwei Jahre in dem Subkontinent aus, weil sich Deutschland weigerte, Pässe für die Kinder auszustellen. In Deutschland ist das Austragen von Babys über eine fremde Frau illegal, Kinder, die von einer indischen Leihmutter geboren werden, gelten nicht als deutschen Staatsbürger. In einer einmalige Amnestie-Aktion durften 2010 Kinder und Eltern schließlich ausreisen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert