In Berlin haben auch die Baumärkte auf: Ein Stück Normalität

Viele Berliner scheinen derzeit zu renovieren. Doch im Gegensatz zu den Supermärkten geht es in den Baumärkten gelassener zu. Eine Momentaufnahme.

Kunden mit Einkaufswagen und viel Abstand vor einem Baumarkt in Schöneberg

Wartegemeinschaft vor Baumarkt in Schöneberg Foto: picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa

BERLIN taz | Nach dem Klopapierrausch ist vor dem Heimwerkerrausch. Wenn sogar Aldi kurzzeitig sein Sortiment umbaut und plötzlich Farbe und Renovierungsbedarf verkauft, muss was zu holen sein: Nach Nudeln, Klopapier und Seife hamstern Berliner:innen nun Heimwerkerbedarf.

Wenn Sie in der vergangenen Woche nach Schleifkork und Lackpinseln gesucht haben, wissen Sie, wovon die Rede ist: Viele nutzen die Pandemie offenbar, um zu renovieren und ordentlich auszumisten. Dafür sprechen sowohl Schlangen vor den Baumärkten als auch sich vor BSR-Recyclinghöfen stauende Autokorsos, die ihrem Keller-Inhalt endlich loswerden wollen.

Um die Massen in Zaum zu halten, stehen vor einem Baumarkt in Köpenick zwei Studierende. Die wiederum nutzen ihre verlängerten Semesterferien dafür, um sich nicht an den Infektionsschutz haltende Kund:innen zurecht zu weisen. Ihre Unterhaltung über die verlängerten Semesterferien unterbrechen sie nur, wenn sich jemand vordrängeln will.

Dann spulen sie wohltuend seelenruhig ihr ewiges Mantra ab: „Sie dürfen nur mit Einkaufswagen in den Markt, da hinten ist das Ende der Schlange, Sie müssen warten, bis ein Kunde mit Wagen wieder herauskommt, bevor sie rein dürfen, bitte beachten Sie den Sicherheitsabstand von 1,50 Meter.“

Schmallippig wie eh und je

Auch sonst ist der Service erstklassig. Jedes mal, wenn ein Kunde aus dem Baumarkt kommt, desinfiziert ein Student mit einer Sprühflasche die Grifffläche des Einkaufswagens, bevor er diesen weiterreicht. Auch Handschuhe dürfen Kund:innen sich nehmen. Desinfektionsmittel steht am Eingang ebenfalls bereit.

Entgegen der Erwartung ist das Baumarktinnere nicht so eine Kampfzone wie der Supermarkt: Irgendwie scheint sich die Welt hier etwas langsamer zu drehen. Aufgrund der harten Türpolitik sind weniger Kunden als sonst hier. Die Fahrstuhlmusik ist gefühlt etwas leiser – lediglich die in Dauerschleife abgespielten Werbespots auf Mini-Bildschirmen nerven wie sonst auch. Und auch die Baumarkt-Mitarbeiter sind herablassend und schmallippig wie eh und je. Ein Stück Normalität in der Krise.

Etwas zurückgelehnt ist der Besuch im Baumarkt dann doch sogar eine erholsame Abwechslung. Viele Regale scheinen zwar leerer zu sein, aber das meiste ist doch noch erhältlich. Vergriffen sind allerdings das Malerkrepp und die günstige Farbe für Innenräume.

Umso schöner, dass man die Malerarbeiten noch etwas aufschieben kann und sich dieses Schauspiel im nächsten Baumarkt gleich noch einmal anschauen darf.

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