piwik no script img

Immunität von Björn Höcke aufgehobenMehr Volksverhetzung wagen

Der Thüringer Landtag hat die Immunität von Björn Höcke aufgehoben. Dem AfD-Politiker drohen Ermittlungen nach einer SA-Parole in einer Rede.

Gareth Joswig

Aus Berlin

Gareth Joswig

Die Immunität des extrem rechten AfD-Politikers und Thüringer Landtagsabgeordneten Björn Höcke ist aufgehoben worden. Das hat der Justizausschuss des Thüringer Landtags am Mittwoch in einer außerplanmäßigen Sitzung einstimmig beschlossen, wie nach der nicht öffentlichen Sitzung bestätigt wurde.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Halle einen Antrag auf Aufhebung von dessen Immunität als Abgeordneter gestellt. Der Grund: Höcke hatte in einer Wahlkampfrede kurz vor der Sachsen-Anhalt-Wahl Ende Mai den SA-Wahlspruch „Alles für Deutschland“ verwendet. Das ist laut einem Papier des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags ähnlich wie das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole strafbar.

Höcke drohen nun staatsanwaltschaftliche Ermittlungen. Es ist nicht das erste Mal, dass Höckes Immunität wegen ähnlicher Äußerungen aufgehoben wird – Höcke darf gerichtlich bestätigt als Faschist bezeichnet werden und ist das Gesicht der völkischen Strömung in der AfD.

Zuletzt hatte diese innerhalb der extrem rechten Partei mit dem Nichtwiederantritt von Jörg Meuthen als Parteichef an Boden gewonnen. Der unangefochtene und designierte Parteivorsitzende Tino Chrupalla aus Sachsen war zudem Wunschkandidat der Völkischen. Seine Wiederwahl in die Parteispitze auf dem im Dezember in Wiesbaden anstehenden Parteitag gilt als gesichert.

Anzeige von Grünen-Landeschef

Angezeigt wurde Höcke vom Grünen-Chef aus Sachsen-Anhalt, Sebastian Striegel, der gegen dessen Wahlkampfauftritt protestiert hatte. Der sagte der taz: „Natürlich weiß Höcke als Geschichtslehrer genau um die Bedeutung dieses Satzes. Angesichts des Publikums auf der AfD-Kundgebung nutzte er den Ausspruch bewusst als Markierung und Erkennungszeichen im rechtsextremen Kontext.“

Höcke forderte unterdessen, das Immunitätsrecht zu ändern. Laut einer Nachricht an seine Social-Media-Follower wollte der extrem rechte Politiker sinngemäß mehr Volksverhetzung wagen: Er forderte die Abschaffung des „sogenannten Volksverhetzungsparagrafen“. Höcke konterkarierte damit die Selbstinszenierung der AfD als „Rechtsstaatspartei“, indem er behauptete, dass der Straftatbestand Volksverhetzung „auf jeden kritisch denkenden Bürger anwendbar“ sei.

Ein historisch-kritisches Bewusstsein oder die Einsicht, dass es ein Fehler gewesen sein könnte, den SA-Wahlspruch zu zitieren, gibt es bei Höcke nicht mal andeutungsweise. Im Gegenteil: Offenbar will Höcke auch weiter Nazi-Slogans benutzen, wenn er sagt: „Mehrfach wurde meine Immunität bereits aufgehoben, mehrfach wegen des Verdachts auf angebliche Volksverhetzung. In einem Land, das Kopf steht, kommt man als Patriot daran wohl nicht vorbei.“

Nebenbei zweifelte Höcke in dem Beitrag die Unabhängigkeit der Justiz an. Der Thüringer AfD-Landesverband gilt sogar dem Verfassungsschutz als „erwiesen rechtsextrem“, ist allerdings der einzige der bei der vergangenen Bundestagswahl etwas zulegen konnte.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

3 Kommentare

 / 
  • Vorsicht! Selbst ein Bernd Höcke ist immer noch ein Mensch. Und das obwohl er ein geistiger Nachfolger der Nazi-Verbrecher ist. Anscheinend darf er derzeit mit seiner Parteikameradin Alice im Wunderland am eigenen Leib erfahren, dass Corona doch keine Erfindung von 'Linken' ist. Er kann es ja mal mit der vom Möchte-Gern-Mediziner Trump erfundenen und empfohlenen Medizin 'Desinfektionsmittel' versuchen. Chlor soll sehr gründlich desinfizieren.

  • Kaum hat man ihm die Immunität entzogen, ist die nächste Meldung, dass er mit Corona infiziert ist. Was für ein Schenkelklopfer.

  • Faschisten wie Höcke sind stets in der Lage und willens Millionen Anhänger aufzuhetzen , Hass zu kanalisieren. Dafür werden er und seinesgleichen immer noch in Watte gebettet!



    Zu RAF Zeiten hat weit weniger gereicht, um für Jahrzehnte in Stammheimer Isolationshaft zu verschwinden.