Howard Carpendales Comeback: Herzschmerztroubadour reloaded
Als wäre er nie fort gewesen: Schlagersänger Howard "Howie" Carpendale kehrt aus dem Ruhestand zurück. Auf allen Kanälen.
Über die Gründe ist nichts Grundstürzendes bekannt, auch in Sendungen wie "Brisant" ist darüber allenfalls spekuliert worden. Warum will einer, der 61 Jahre ist, sich neuerlich auf die Bühne stellen und den blonden Herzschmerztroubadour geben?
Bei seinem Abschied vor vier Jahren jedenfalls sagte der Südafrikaner, er möchte nun lieber als Schauspieler arbeiten - der Wechsel in dieses Fach mochte einem depressiven Schwerenöter wie Roy Black einst gelungen sein, aber Carpendale?
Der im Schlagergeschäft die Rolle des Charmeurs ("Hello Again") und Grüblers ("Fremde oder Freunde") innehatte? Der bekam keine Angebote. So muss er unter jenen Phantomschmerzen gelitten haben, die Pensionäre erfasst, welche noch nach dem betrieblichen Abschied zu viel zu früher Zeit aus dem Bett steigen, weil sie ins Gewusel des Benötigtseins sich zurücksehnen. Jetzt hat "Howie" eine neue Platte aufgenommen, Titel: "20 Uhr 10". Eine Uhrzeit, zu der der Künstler sonst die Bühne betrat.
Andere Lieder der Platte handeln vom üblichen Stoff, der von einem Carpendale erwartet werden muss. Liebe ("Bin wieder da"), Sehnsucht ("Diesen Traum") und am Ende ein Lied mit "Na und", als wollte er signalisieren, auf all die Lächerlichmacher (am Donnerstag, pars pro toto: Harald Schmidt und Oliver Pocher) zu pfeifen.
Insgesamt ist diese Produktion von der Stange. Konfektion aus den musikalisch eher modernen Schlagernähstuben; der Sound insgesamt nicht billig, eher orientiert an amerikanischer Professionalität. Auch sieht Carpendale noch so aus wie damals, der Blick aus blauen Augen wie immer entschlossene Feinfühligkeit betonend. Ein Anbetungsobjekt ohne Reue.
Die Frage ist nur: Kann man diese CD den Eltern schenken, der Oma oder der älteren Freundin? Zu Weihnachten? Ja, man darf. Weil es Carpendale ist. Einer, der sich langweilt ohne Arbeit: Das versteht jeder, dass man in diesem Alter noch kein rostiges Eisen sein will. Mehr Jobs, mehr gesellschaftliche Teilhabe für ältere Arbeitnehmer - ist es nicht das, was man immer unterstützen muss?
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