Holstenareal in Hamburg: Alles geklärt, oder?

Das Bezirksamt und die Consus AG haben sich auf Eckpunkte für die Bebauung des Holstenareals geeinigt. Ob wirklich bald gebaut wird, scheint unklar.

Visualisierung des Holstenareals

So soll es aussehen: Pläne für das Holstenareal Foto: André Poitiers RIBA

HAMBURG taz | Schon mehrfach erweckten die Investoren, die Stadt und das Bezirksamt Altona in den vergangenen Jahren den Eindruck, dass die Details für die Umgestaltung des Holsten­areals zu einem der größten Wohnungsneubaugebiete der Stadt geklärt seien. Und dass es wirklich bald losgehe mit dem Bau. So auch jetzt: Der Bezirk Altona und der Investor Consus verständigten sich auf einen Vertragsentwurf, der aufzeigt, was auf dem 86.000 Quadratmeter großen ehemaligen Brauereigelände künftig entstehen soll. Die Vergangenheit hat aber gezeigt: Skepsis ist angebracht.

Am Mittwochabend legte das Bezirksamt dem Planungsausschuss der Bezirksversammlung die Details der Einigung vor. Die grüne Bezirksamtschefin Stefanie von Berg zeigt sich froh, dass nun eine weitgehende Verständigung mit Consus erzielt worden sei. „Für uns im Bezirksamt Altona war immer klar, dass die Fläche nicht immer wieder neu verkauft werden soll, sondern entwickelt werden muss.“

Die Consus AG, die sich selbst als Projektentwickler bezeichnet, will auf dem Holstenareal ein „hippes und urbanes Viertel“ verwirklichen: Es sollen insgesamt mehr als 1.200 Wohnungen entstehen, davon 365 geförderte Mietwohnungen. Bei einigen weiteren Wohnungen soll es eine Preisdämpfung geben, beim Rest wird es hochpreisig mitsamt einer Menge Eigentumswohnungen.

Daneben entsteht auch Platz für Büros, Einzelhandel und – Hamburg hat ja nicht genug davon – Hotels. Teil des Deals ist auch, dass Consus einige Millionen zur Erweiterung einer angrenzenden Schule bereitstellt.

„Gutes Paket“ oder „reine Kosmetik“?

Während Christian Trede von den Grünen in Altona von einem „guten Paket“ spricht, sehen andere die Einigung deutlich kritischer: Theo Bruns, Sprecher der Baugemeinschaft Malwine, die Teil der Initiative „Knallt am Dollsten“ ist und sich gegen die Pläne des Investors wehrt, fordert die Bezirksversammlung auf, die Einigung nicht zu unterschreiben: „Das hat mit sozialverträglichen Bedürfnissen des Wohnens nichts zu tun.“

Heike Sudmann, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion

„Es ist eine Bankrotterklärung“

Es sei erstaunlich, wie machtlos sich die Politik gegenüber dem Investor gibt. „Die Verhandlungsergebnisse sind reine Kosmetik.“ Außerdem, sagt Bruns, sei weiterhin nicht garantiert, dass tatsächlich in absehbarer Zeit gebaut werde.

Auch die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken in der Bürgerschaft, Heike Sudmann, zeigt sich empört: „Es ist eine Bankrotterklärung.“

Die Skepsis, ob tatsächlich in absehbarer Zeit mit dem Bauen begonnen wird, beruht auf den Entwicklungen rund um das Areal in den vergangenen sieben Jahren: 2014 wurde erstmals öffentlich, dass die Holsten-Brauerei, Tochter von Carlsberg, ihren Standort in Altona aufgeben will. 2016 verkaufte die Carlsberg-Brauerei das Gelände an den Düsseldorfer Projektentwickler Gerchgroup für geschätzte 150 Millionen Euro.

Mit Enteignung gegen Share Deals

Anfang dieses Jahres, so die damaligen Versprechen, hätten die ersten Be­woh­ne­r:in­nen einziehen sollen. Stattdessen: Viermal ging der Besitz seither in andere Hände, zuletzt für 320 Millionen Euro an die Consus AG.

Wie die Zeit recherchierte, waren diese Weiterverkäufe sogenannte Share Deals: Investoren kaufen sich Anteile an Immobiliengesellschaften, damit offiziell kein Grundstücksverkauf stattfindet – so sparen sie Steuern und verhindern, dass die öffentliche Hand ihr Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen kann.

Dass mit dem Gelände auch weiterhin spekuliert wird und es auf diese Weise ohne Bautätigkeit munter weiter den Besitzer wechselt, ist demnach nicht ausgeschlossen. Schon deshalb, findet Bruns, sollten Stadt und Bezirk doch noch einmal über eine Vergesellschaftung des Geländes nachdenken. „Das Grundgesetz erlaubt das schließlich.“

Das Bezirksamt hält allerdings dagegen und verweist darauf, dass Strafen im Vertrag festgelegt sind, wenn der Investor die festgelegten Fristen nicht einhält. Darüber kann Bruns nur lachen. „Solche Strafen sind den Investoren doch egal und bereits eingeplant.“

Einigkeit herrscht allerdings bei nahezu allen Beteiligten in einem Punkt: Warum der Senat, der seinerzeit einzig von der SPD gestellt wurde, das Vorkaufsrecht nicht nutzte, bleibt heute noch unverständlich. Statt das Gelände in kommunale Hand zu überführen, sollte nach dem Senatswillen seinerzeit lieber ein privater Investor damit Geld verdienen.

Und verdient haben Investoren damit schon jetzt eine ganze Menge – ohne eine einzige bauliche Tätigkeit auf dem Gelände. „Scholz und seine SPD haben das vermurckst“, sagt Bruns. Das sehen auch die Grünen so.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de