Holly Johnsons Comeback

„Irgendwie bin ich dankbar für Aids“

Holly Johnson war einer der ersten offen schwulen Popstars und stand zu seiner HIV-Infektion. 15 Jahre machte er kein Album. Jetzt ist er zurück.

„Niemand will Holly Johnson leise singen hören.“ Johnson auf der Bühne. Bild: dpa

Das Auf und Ab in seiner Karriere ist extrem. Mit Frankie Goes To Hollywood war Holly Johnson ein Jahr lang der erfolgreichste Pop-Act der Welt. Auch sein erstes Solo-Album erreichte in England die Nummer eins. Die beiden darauffolgenden aber floppten fürchterlich. Nun, 15 Jahre nach seinem letzten Album, scheint die Welt wieder sehnsüchtig auf Holly Johnson zu warten, in seiner Heimat England überschlagen sich die Medien geradezu. Über die Launen der Zeit und seine eigene hat Holly Johnson mit der taz.am wochenende gesprochen. Einige Auszüge:

Waren Sie schon immer so mies drauf?

Mit dem Alter wird es sogar noch schlimmer. Ich bin durchaus in der Lage, glücklich zu sein. Gelegentlich.

Wenn man Ihr neues Album „Europa“ hört, könnte man denken, Sie seien ein gutgelaunter Typ. Warum braucht die Welt gerade jetzt positive Botschaften?

Um ehrlich zu sein: Mir ist ziemlich egal, was die Welt braucht. Ich mache das vor allem für mich.

Sie haben 1991 erfahren, dass Sie HIV-positiv sind. Brauchen Sie diese Botschaften, um sich selber immer wieder zu sagen, dass das Leben weitergeht?

Der eine will nie, die andere kommt nie, der Dritte will eigentlich nicht so hart. Wir haben Sex-Fragen unserer Leserinnen gesammelt und sie mit Ann-Marlene Henning diskutiert. Der neuen Chefaufklärerin der Nation. Ihre Antworten lesen Sie in der taz.am wochenende vom 15./16. November 2014. Außerdem: Wie ein deutscher Mediziner aus Langeweile den vielversprechendsten Ebola-Impfstoff fand. Und: Haben Veganer, die krank werden, versagt? Ariane Sommer macht sich Gedanken. Am Kiosk, //taz.de/%21p4350%3E%3C/a%3E:eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo.

1991 war die Diagnose wie ein Todesurteil. Die Ärzte haben gesagt: Sie sollten jetzt in Urlaub fahren. Sie gaben mir noch zwei Jahre. Schwul zu sein war in meiner Generation nicht einfach. Und nun hatten die religiösen Fundamentalisten einen neuen Grund gefunden, mich und meine Art zu leben zu verdammen. Ganz nebenbei verliert man auch noch die meisten seiner Freunde. Meine Depressionen sind in der Zeit jedenfalls nicht besser geworden.

Sie haben vor allem wegen der verbesserten Behandlungsmethoden überlebt.

Aids wird immer ein Teil von mir bleiben, aber mittlerweile fühlt es sich eher so an wie für jemanden, der schlecht sieht und dadurch eingeschränkt ist, dass er eine Brille tragen muss. Die Krankheit ist Teil meiner Persönlichkeit geworden, und der Schmerz erschafft die Kunst. In gewisser Weise bin ich also sogar dankbar. Es gibt keinen besseren kreativen Antrieb als das Gefühl zu haben, das Ende ist nah. Wenn ich gewusst hätte, dass ich heute noch lebe, wäre ich womöglich wirklich in Urlaub gefahren.

Sie und Ihr Bandkollege Paul Rutherford gehörten zu den ersten offen schwulen Stars in der Pop-Geschichte. War Ihnen klar, dass Sie ein Pionier waren?

Ja, einer musste den Job übernehmen. Natürlich war mir klar, was es bedeutete, dass wir keinen Hehl aus unserer Homosexualität machten. Vor allem, weil wir gar nicht erst um Akzeptanz gebeten haben. Wir haben uns hingestellt und gesagt: Wir sind schwul. Und ihr könnt uns mal, wenn euch das nicht passt. Vielleicht war Frankie Goes To Hollywood der Flügelschlag, der den Schmetterlingseffekt ausgelöst hat, der drei Jahrzehnte später dazu geführt hat, dass Schwule in vielen Ländern heiraten dürfen.

Kann Popmusik immer noch die Welt verbessern?

Ohne jeden Zweifel. Es gibt immer noch nichts Besseres, wenn man sich schlecht fühlt an einem regnerischen Tag in England, Düsseldorf oder Würzburg, wenn der Job langweilig ist oder man krank in einem Wartezimmer sitzt. Die transformierende Kraft der Popmusik ist ungebrochen.

Das komplette Gespräch mit Holly Johnson lesen Sie in der taz.am wochenende vom 15./16. November 2014.

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