Rechtsextremismus: Hitlergruß bei AfD geht nicht, eigentlich
Wer den Hitlergruß zeigt, müsste mit Konsequenzen rechnen, sagt AfD-Geschäftsführer Brandner. Sachsens-Anhalts AfD-Chef Reichardt nimmt er aber in Schutz.
Foto: Revierfoto/imago
dpa | Die AfD-Bundestagsfraktion würde nach Aussage ihres Parlamentarischen Geschäftsführers Stephan Brandner das Zeigen des Hitlergrußes nicht dulden. Auf die Frage, ob ein AfD-Abgeordneter nach einer solchen Geste noch einen Platz in der Fraktion hätte, sagte Brandner im Berlin Playbook Podcast von Politico: „Das würde eng, natürlich.“
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Reichardt war wegen eines Fotos mit erhobenem Arm in die Kritik geraten. Reichardt habe im Beisein von Parteikollegen den Hitlergruß gezeigt, hieß es im Politico-Podcast „Inside AfD“. Das Foto stammt aus dem Jahr 2020. Reichardt sagte gestern in einer Bundestagsdebatte auf Zwischenfragen der Union: „Dieses Foto stellt keinen Hitlergruß dar.“ Entsprechende Unterstellungen verbitte er sich. Die Frage, ob das Foto echt sei, ließ er offen. Ein Sprecher der AfD Sachsen-Anhalt sagte auf Nachfrage: „Die fragliche Geste war kein ‚Hitlergruß‘, sondern ein angedeuteter Ritterschlag.“
Reichardt will als AfD-Landeschef wiedergewählt werden
Brandner sprach von einer „ungünstigen Fotosituation“ und verwies darauf, dass auch andere Politiker in ähnlichen Posen fotografiert worden seien. „Wenn Sie den Arm mal in der falschen Richtung heben, dann sieht das aus, jedes Winken können Sie dazu machen“, sagte er.
Reichardt ist seit 2018 auch Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September ein neuer Landtag gewählt wird. Im Juli will die AfD zu einem Landesparteitag zusammenkommen. Dann ist auch die Wahl des Landesvorstands geplant. Landeschef Reichardt will erneut für das Amt kandidieren. In Sachsen-Anhalt wird die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert