Heizkraftwerk in Berlin lahmgelegt: Kalt wird es nur langsam

Ein kurzer Stromausfall legte am Sonntag das Heizkraftwerk Klingenberg lahm. Der Aufschrei war größer als die Folgen.

Blick über die Rummelsbucht Richtung Kraftwerk

Blick über die Rummelsbucht Richtung Kraftwerk Foto: imago/Christian Thiel

BERLIN taz | Ein kurzer Stromausfall beim landeseigenen Betreiber Stromnetz Berlin hat am Sonntagnachmittag gegen 14 Uhr dazu geführt, dass sich in der Folge das von Vattenfall betriebene Heizkraftwerk Klingenberg in Rummelsburg abschaltete und für zehn Stunden ausfiel. Betroffen waren, so hieß es am Montag bei Vattenfall, letztlich 49.800 Haushalte vor allem im Wärmenetz Friedrichsfelde. Zunächst war von einem deutlich größeren Ausmaß des Problems ausgegangen worden.

Infolge einer Kommunikationspanne hieß es am Sonntag zunächst, 380.000 Haushalte im ganzen Südosten seien betroffen, später war von 180.000 die Rede. Selbst für die nun Verbliebenen blieb die große Katastrophe wohl aus: Heizung und Wasser waren nicht auf einen Schlag kalt. „Die Leitungssysteme sind voll mit Heißwasser und Heißwasserdampf und es kommt erst im Laufe von Stunden zum leichten Abflauen der Temperatur“, so Vattenfall-Sprecher Stefan Müller im Gespräch mit der taz. Es habe wegen des Ausfalls „kaum Kundennachfragen gegeben“.

Der Katastrophen- und Zivilschutzbeauftragte des Bezirks Lichtenberg, Philipp Cachée, sprach dagegen von einer „Krisensituation“. Um 19 Uhr hatte der Bezirk über die Katastrophen-Warnapp Nina über den Ausfall informiert. Betroffene waren aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie weder Backöfen noch offene Feuer oder Grills zum Heizen zu nutzen. Bis zum Morgen seien bei den Hausmeistern 500 Anrufe in Abwesenheit aufgelaufen, so Cachée. Ob jedoch wirklich jemand gefroren habe, könne er nicht sagen.

Letztlich habe man „Glück gehabt, dass wir glimpflich durchgekommen sind“. Dazu beigetragen haben die vergleichsweise milden Temperaturen von drei Grad Celsius, bei denen Wohnungen nicht sofort auskühlen. Sensible Einrichtungen wie Krankenhäuser oder der Tierpark, mit denen der Bezirk Kontakt aufgenommen hatte, waren nicht auf Hilfe angewiesen. Am Montagmorgen drei Uhr war der Schaden behoben. Über die Warnapp teilte der Bezirk mit: „Das Heizkraftwerk Klingenberg ist wieder problemlos hochgefahren und bereits seit heute Nacht wird wieder Wärmeenergie geliefert.“

Ursachensuche dauert an

Ursächlich für den Stromausfall war laut Stromnetz Berlin eine technische Störung in einem Umspannwerk in Friedrichshain. Sprecher Olaf Weidner sagte der taz, es habe einen Fehler im Hochspannungsbereich von 110 Kilovolt gegeben. Durch Umschalten auf einen anderen Trafo sei das Problem „nach drei Minuten“ behoben worden. 20.000 Haushalte in der Umgebung sowie in Prenzlauer Berg und Lichtenberg seien kurzzeitig vom Stromausfall betroffen gewesen, ebenso die Bahnhöfe Ostbahnhof, Warschauer Straße, Ostkreuz und Lichtenberg.

Noch werde nach den Ursachen für den Fehler gesucht. Weidner sagte: „Ein Fehler in dieser Größenordnung kommt so gut wie nie vor.“ Normal seien dagegen Probleme im niedrigeren Spannungsbereich mit nur wenigen Betroffenen. Bei Vattenfall hieß es am Montag, das Kraftwerk sei erst nach 70 Minuten wieder mit Strom versorgt gewesen, also „zuletzt“. Dies sei „sehr ungewöhnlich“. Das Kraftwerk habe sich, so Sprecher Müller, zum Schutz automatisch abgeschaltet. Eine „sinnvolle Vorsorge für die Aufrechterhaltung der Wärmeversorgung“ bei Stromausfällen könnten Heizkraftwerke nicht treffen.

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