piwik no script img

Handel mit dem EnergieträgerMit Wasserstoff an die Börse

Energiewende an der Börse: Der Leipziger Handelsplatz arbeitet an einem Preisindex, der ab 2022 Transaktionen mit Wasserstoff abbilden soll.

Bernward Janzing

Aus Freiburg

Bernward Janzing

Die Leipziger Energiebörse EEX will Transparenz im Wasserstoffmarkt schaffen. Wie eine Sprecherin bestätigte, soll im kommenden Jahr ein Wasserstoff-Index aufgelegt werden. Er soll die Preise spiegeln, die Marktteilnehmer bilateral beim Verkauf des Energieträgers im Großhandel vereinbaren. Langfristig dürfte an der EEX auch ein Börsenhandel mit Wasserstoff etabliert werden. Transparente Handelsmärkte seien „Schlüsselinstrumente für eine erfolgreiche Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft“, hieß es von Unternehmensseite.

Der Leipziger Handelsplatz wurde als Strombörse gegründet. Das Unternehmen hat für vielfältige Sektoren wie Erdgas, CO2-Emissionsrechte, Frachtprodukte, Metalle, Biomasse und Agrarprodukte Terminmärkte etabliert und Preisindizes geschaffen. Der derzeit populäre Energieträger passt angesichts der europäischen und diverser nationaler Wasserstoffstrategien gut ins Portfolio.

Details zu dem neuen Index sind allerdings noch nicht bekannt. Weder steht bisher fest, in welchem Turnus die Kennziffer aus allen vorliegenden Wasserstoff-Transaktionen festgestellt werden soll, noch ist klar, in welchem Maße eine regionale Differenzierung der Preise vorgenommen wird. Als naheliegend gilt in der Energiewirtschaft für den Start ein Index, der einmal pro Woche errechnet wird.

Die Frage, ob es eine Differenzierung des Wasserstoffs nach Art der Herstellung geben soll, ist auch noch nicht beantwortet. In der Debatte über den Wasserstoff hat sich eine virtuelle Farbenlehre etabliert. Dazu gehören der „grüne“ Wasserstoff, der mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, und der „graue“ aus fossilen Energien. Eine wichtige Rolle könnte der „blaue“ Wasserstoff spielen, der zwar aus Erdgas erzeugt wird, doch wird in diesem Fall das dabei anfallende CO2 aufgefangen.

Aufbau liquider Wasserstoffmärkte

Die Leipziger Börse ist auch am Aufbau des ersten europäischen Herkunftsnachweisregisters für Wasserstoff beteiligt, das den Namen CertifHy trägt. Die EEX propagiert ein System, das den Handel der physischen Ware Wasserstoff von einem parallel stattfindenden Handel mit Herkunftsnachweisen trennt. Damit ermögliche man den Aufbau liquider Wasserstoffmärkte, so die Energiebörse. Auf diese Weise könnten Kunden unabhängig von ihrem physischen Bezug von „grünem“ Wasserstoff mit dem Kauf von Herkunftsnachweisen zum Aufbau einer klimafreundlichen Wasserstoffproduktion beitragen.

Ein vergleichbares Verfahren wird im Strommarkt mit dem Handel von Herkunftsnachweisen praktiziert, doch ist diese Praxis auch dort nicht unumstritten. Mitunter wird sie als „Greenwashing“ betrachtet, weil Verbraucher auch ohne eine direkte Handelsbeziehung zu einem Ökostromerzeuger ihren Strommix durch den ergänzenden Kauf von Grünstromzertifikaten als ökologisch bezeichnen können.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 90 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • 1G
    17900 (Profil gelöscht)

    Vorsicht! Wasserstoffaktien sind immer noch sehr volatil!



    Solange die Deutschen bzw. Europäer nicht aus dem Quark kommen und deutlich mehr H2-Tankstellen bauen, wird das nichts!



    Vor allem in der Schifffahrt muss sich was tun.