Hafterleichterung für René Benko: Fußfessel statt Knast
Signa-Milliardenpleitier René Benko darf die Haftanstalt verlassen, um sich auf den nächsten Prozess vorzubereiten. Ermittler legen Beschwerde ein.
Der ehemalige Immobilienunternehmer René Benko ist am Dienstag vorläufig auf freien Fuß gelangt. Das Innsbrucker Landesgericht gab einem entsprechenden Antrag seines Verteidigers statt. Der Milliardenpleitier wird nun aus der Untersuchungshaft entlassen und darf in einer von ihm angemieteten 60-Quadratmeter-Wohung in Innsbruck leben.
Er muss eine elektronische Fußfessel tragen. Weitere Auflagen sind unter anderem ein Kontaktverbot zu Personen aus dem Umfeld seines früheren Signa-Konzerns sowie die Begrenzung der Ausgehzeit auf täglich eine Stunde. Benkos Anwalt hatte seinen Antrag damit begründet, dass sich Benko im Gefängnis nicht ausreichend für einen im November anstehenden dritten Prozess vorbereiten könne.
Die Entscheidung sorgte für Verwunderung. Die ermittelnde Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft geht bei Benko von Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr aus. Die Ermittler legten Beschwerde dagegen ein. Sie meinen, dass Benko weiter die Vorgänge um den Zusammenbruch seines Signa-Konzerns verschleiern könnte. Außerdem fürchten sie, dass er weiter Geld zu privaten Gunsten umschichten könnte.
Die Entscheidung, dass ein in Untersuchungshaft sitzender Angeklagter gegen eine Fußfessel freikommt, ist eine absolute Ausnahme. Von derzeit 1.863 U-Häftlingen in Österreich ist das bisher in einem einzigen Fall so. Der zweite ist nun René Benko.
Benko war erst im September in einem neu aufgerollten Prozess wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. Zuvor wurde er bereits im Oktober 2025 schuldig gesprochen, weil er nach Überzeugung des Gerichts kurz vor der Pleite seines Signa-Konzerns Geld beiseite geschafft hatte.
Mit dem Kauf von Immobilien hatte Benko ein Millionenvermögen angehäuft. In Deutschland gehörten ihm zeitweise unter anderem die Warenhauskette Galeria und das Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin. Wegen hoher Baukosten, steigender Kreditzinsen und weiterer Probleme ging der Konzern Ende November 2023 in die Insolvenz. Im März 2024 stellte Benko Antrag auf Privatinsolvenz, im Januar 2025 wurde er festgenommen.
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