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Hackerangriff in BerlinNichts Sensibles abgezweigt

ExpertInnen in Krisenstäben zerbrechen sich die Köpfe, wie ein Hacker ins Landesnetz eindringen konnte. Die Wahlen sind aber nicht kompromittiert.

Nach dem mutmaßlichen Hackerangriff und der „Abschaltung“ zweier Senatsverwaltungen am Freitag hat sich der Senat am Mittwoch bemüht, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren: Einer außerordentlichen Sitzung der Landesregierung folgte ein ausführliches „Pressebriefing“, an dem neben dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) auch Berlins Chief Digital Officer Florian Hauer und der Landesbevollmächtigte für Informationssicherheit Olaf Kroll-Peters teilnahmen.

Bestätigt wurde diesmal ausdrücklich, dass es sich um den digitalen Angriff einer Person oder einer Personengruppe auf das Landesnetz gehandelt habe. Zuvor war der Begriff „Hacker“ von Senatsmitgliedern vermieden worden. Kroll-Peters sagte, seine Behörde habe am Freitag die Information bekommen, dass im Rahmen der Störungsbeseitigung „etwas gefunden“ worden sei. Zusammen mit dem Abklemmen der Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Mobilität vom Berliner Landesnetz seien Notfallstäbe einberufen worden, die jetzt rund um die Uhr tätig seien.

Laut Florian Hauer tauscht sich der Senat mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus und wird bei seinen Ermittlungen vom Landeskriminalamt (LKA) unterstützt. Hauer sprach von einem „erheblichen Hackerangriff“, betonte aber, dass dieser frühzeitig identifiziert worden sei: „Die Mitarbeiter haben bei den ersten Hinweisen nach dem Motto 'Sicherheit geht vor’ gehandelt – das ist die positive Nachricht.“ Im Übrigen sei man weiterhin dabei, zusammen mit externen IT-Experten und „großem Ressourceneinsatz“ das Landesnetz zu scannen.

Über die Identität und die Motive des digitalen Eindringlings wollte oder konnte Hauer nichts Konkretes sagen. Dessen oder deren Modus Operandi setze aber ein „Minimum an Professionalität“ voraus: „Ich bin mir sicher, dass ein Amateur nicht so leicht hineingekommen wäre.“ Der Chief Digital Officer bestätigte auf Nachfrage, dass der Hack an sich nach bisherigen Erkenntnissen keinen Schaden erzeugt hat – im Gegensatz zu den Effekten der Präventivmaßnahmen, mit denen der Senat darauf reagierte. „Es wurden keine Daten abgezogen, die nicht ohnehin offen zugänglich gewesen wären“, so Hauer.

„Gefährliche Zeiten“

Während der Regierende Bürgermeister von „großer Gefahr durch hybride Angriffe“, sprach und dass, „wir in gefährlichen Zeiten leben“, stellte Hauer zumindest indirekt die Möglichkeit nicht ganz so unheilvoller Motivationen in den Raum: „Vielleicht wollte der auch nur Katz und Maus mit uns spielen.“ Kai Wegner hakte nach dieser Aussage noch einmal ein: „Vielleicht haben wir den Angriff ja einfach früh genug erkannt und der Täter hätte sonst noch mehr Möglichkeiten gehabt.“

Die Innensenatorin legte großen Wert auf die Feststellung, dass Vorbereitung und Durchführung der Landes- und Bezirkswahlen am 20. September von der Attacke nicht kompromittiert seien: „Wir hatten einen Tag, an dem die Online-Beantragung von Wahlscheinen nicht ging.“ Seit dem frühen Mittwochmorgen funktioniere das Verfahren wieder, zudem gebe es auch analoge Wege, einen Wahlschein zu beantragen. Ihr Fazit: „Ist das ein möglicher Grund für die Anfechtung der Wahl? Nein.“

Keine klare Aussage gab es zu der Frage, ob die beiden vom Netz getrennten Senatsverwaltungen Teil des Problems sind – weil ihre IT immer noch von eigenen Abteilungen betrieben wird und noch nicht vom zentralen landeseigenen Dienstleister ITDZ. Der IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug (auch bekannt als „HonkHase“) hatte unter anderem in einem Interview mit dem RBB gesagt, dass Berlin in Sachen Cybersicherheit „sehr schlecht“ aufgestellt sei.

Alexander Baumgärtner, der das IT-Magazin blogspan.net betreibt, schreibt in einem Beitrag zum Berliner Hackerattacke, er kenne „diese Konstellation aus dem Maschinenraum kleiner und mittlerer Organisationen bis zum Überdruss“: Zwar gebe es eine „saubere, gehärtete Zentralumgebung“ – das wäre im Fall Berlins wohl das vom ITDZ betriebene Landesnetz –, aber „daneben lebt der Rest weiter, den nie jemand migriert hat“. Für Baumgärtner sind das für Cyberangreifer willkommene Einfallstore.

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