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Hackerangriff auf Berliner VerwaltungE-Mail löst Fax wieder ab

Nach dem Hackerangriff sind die betroffenen Verwaltungen wieder am Netz. Der Digital-Staatssekretär warnt aber vor neuen Attacken – und kritisiert Sicherheitslücken.

Die betroffenen Senatsverwaltungen sind zwar seit dem Wochenende wieder online, aber der Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz beschäftigt weiter die Behörden. „Es wäre verfrüht zu sagen, dass wir das Ganze erfolgreich hinter uns gelassen haben“, betonte Berlins „Chief Digital Officer“ (CDO) Florian Hauer am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Die gesamte IT des Landes werde derzeit „so weiträumig wie möglich“ gescannt, auch der Notfallstab treffe sich weiterhin täglich, sagte der Staatssekretär.

Vergangene Woche war ein umfassender Hackerangriff auf die beiden Senatsverwaltungen für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bekannt geworden. Bereits am 14. August waren die beiden Behörden deshalb vom Landesnetz – der zentralen Datenleitung der Berliner Verwaltung – getrennt worden. In den Häusern funktionierten weder das Internet noch externe Mailkommunikation. Es gab zudem Probleme mit der Auszahlung des Wohngelds sowie der Sozialleistung „Bildung und Teilhabe“. Zwischenzeitlich war auch der Online-Antrag auf Briefwahl betroffen.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) war am Montag bemüht, die Wogen zu glätten. „Stand jetzt ist die Wahl-Infrastruktur sicher“, sagte Spranger. Der Briefwahl-Antrag laufe wieder stabil, trotz „sehr enormen Zugriffs“, was man „24/7“ kontrolliere, so Spranger. Auch die Auszahlung des Wohngelds soll nicht in Gefahr sein, hieß es am Montag aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Unterdessen läuft die Aufarbeitung der massiven Datenpanne. Zwar sollen lediglich Geo-Daten gestohlen worden sein, die ohnehin öffentlich waren. Trotzdem legt der Angriff klaffende Lücken in Berlins IT-Infrastruktur offen, die einem Flickenteppich gleicht. Etwa betrieben die betroffenen Verwaltungen ihr Netz nicht beim zentralen IT-Dienstleister des Landes, dem ITDZ, sondern in Eigenregie, was es mutmaßlich leichter angreifbar machte.

Details nur hinter verschlossenen Türen

„Wir sind überrascht, wie groß das IT-System des Landes ist“, räumte CDO Hauer ein. Und stellte klar: „Es gibt strukturelle Defizite in der IT-Infrastruktur Berlins. Die nächste Regierungskoalition ist gefordert, die zu beheben.“ Genauere Infos zum Hackerangriff und Details zu den nun laufenden Maßnahmen wollte Hauer nicht öffentlich geben; sowohl der Innenausschuss am Vormittag als auch der Digitalausschuss am Nachmittag tagten zwischenzeitlich hinter verschlossenen Türen.

Grünen-Digitalpolitiker Stefan Ziller forderte erneut eine Zentralisierung der IT-Infrastruktur beim ITDZ. Bislang laufe das zu langsam: „Die meisten Bezirke haben noch nicht einmal Gespräche darüber geführt“, kritisierte Ziller im Digitalausschuss. Die Migration müsse sich „substanziell beschleunigen“, wobei aber die verschiedenen Segmente voneinander getrennt werden müssten, um Angriffe zu erschweren. „Das funktioniert wie Brandschutztüren“, erklärte Ziller.

IT-Dienstleister in der Krise

Allerdings genießt das ITDZ keinen guten Ruf. Zuletzt hatten sich dort Probleme gehäuft: Etwa musste die Anstalt mehrfach vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Hintergrund waren Streitereien über Rechnungen, die von der Senatskanzlei wiederholt nicht rechtzeitig bezahlt wurden. Zudem wird Leiterin Maria Borelli vorgeworfen, Aufträge am Aufsichtsrat vorbei vergeben und so gegen das Vergaberecht verstoßen zu haben.

Trotzdem pochen auch weitere Abgeordnete und Ver­tre­te­r*in­nen des Senats auf die Stärkung des ITDZ. Vor einem Jahr hatte der Senat sogar eine Cybersicherheitsstrategie für Berlin erstellt, laut der dem ITDZ eine zentrale Rolle bei der IT-Sicherheit zukommt. Was seitdem passiert ist, ist unklar.

CDO Florian Hauer nutzte am Montag noch einmal die Gelegenheit, schnelle Nachbesserungen anzumahnen. Denn, so Hauer: „Nach dem Hackerangriff ist vor dem Hackerangriff.“ Jeden Monat würden im Schnitt mehr als eine Million Cyberattacken erfolgreich abgewehrt.

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