Grüne Transformation: Öko-Stahl in Sicht
2027 wird in Duisburg der erste Hochofen fertig, der grünen Stahl herstellen kann. Bisher fehlt der dafür benötigte grüne Wasserstoff aber noch.

Die Stahlproduktion spielt eine wichtige Rolle beim klimaneutralen Umbau der Industrie. Um Stahl herzustellen, wird sehr viel Energie benötigt, hohe CO₂-Emissionen werden erzeugt. Etwa 30 Prozent der deutschen Industrieemissionen entfallen auf die Stahlproduktion.
Bei einer nachhaltigen Herstellung müsste der Brennstoff Kohle ersetzt werden. Für wirklich klimaneutralen Stahl müsste die Produktion komplett auf erneuerbaren Energie beruhen in Form von grünem Strom und grünem Wasserstoff, sagt Simon Wolf von Germanwatch.
Das soll in dem neuen Hochofen in Duisburg möglich sein. In der sogenannten Direktreduktionsanlage wird anstelle von Koks Gas oder Wasserstoff verwendet. Unter der Voraussetzung, dass grüner Wasserstoff und erneuerbare Energien eingesetzt werden, kann hier also grüner Stahl entstehen.
Bis 2038 muss die Stahlindustrie klimaneutral sein
Das Projekt in Duisburg wird vom Bund und von Land NRW zusammen mit etwa 2 Milliarden Euro gefördert. „Stahl als Grundstoff steht am Anfang vieler Wertschöpfungsketten. Die Energie- wie auch die Mobilitätswende sind ohne Stahl nicht denkbar“, sagt IG-Metall-Vorsitzender Jürgen Kerner.
Bisher wird aber kaum grüner Wasserstoff produziert, weil die fossilen Energieträger günstiger sind. Früher oder später wird sich das Preisverhältnis allerdings umkehren, sagt Germanwatch-Experte Wolf. Ab 2026 muss die Industrie für CO₂-Zertifikate zahlen. Die Preise für CO₂-Ausstoß sollen dann ansteigen und ab 2038 keine neuen Zertifikate mehr ausgegeben werden.
„Irgendwann zwischen 2027 und 2038 wird klimaneutraler Stahl also günstiger werden als grauer Stahl“, sagt Wolf. Der Ausbau grünen Stahls könne außerdem mit gesetzlichen Quoten gefördert werden oder indem bei staatlichen Bauprojekten bevorzugt grüner Stahl verwendet werde.
Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes stand, dass Brennstoffe ab 2027 in den europäischen CO₂-Zertifikatehandel aufgenommen werden. Das wurde korrigiert, da Brennstoffe bereits zuvor im Zertifikatehandel berücksichtigt werden und ab 2026 lediglich die kostenfreie Zuteilung von Zertifikaten an die Industrie schrittweise abgeschmolzen wird.
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