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Grüne TransformationÖko-Stahl in Sicht

2027 wird in Duisburg der erste Hochofen fertig, der grünen Stahl herstellen kann. Bisher fehlt der dafür benötigte grüne Wasserstoff aber noch.

Demnächst mit Grünem Wasserstoff als Energiequelle? Stahlproduktion bei Thyssenkrupp in Duisburg Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Berlin taz | Ende 2027, und damit ein Jahr später als erwartet, soll in Duisburg der erste Hochofen in Betrieb gehen, der grünen Stahl herstellen kann. Das kündigt der Anlagenbauer SMS Group an, der für Thyssenkrupp den Hochofen baut. „Derzeit planen wir, die Anlage ab Ende 2027 Schritt für Schritt hochzufahren“, sagt SMS-Chef Jochen Burg.

Die Stahlproduktion spielt eine wichtige Rolle beim klimaneutralen Umbau der Industrie. Um Stahl herzustellen, wird sehr viel Energie benötigt, hohe CO₂-Emissionen werden erzeugt. Etwa 30 Prozent der deutschen Industrieemissionen entfallen auf die Stahlproduktion.

Bei einer nachhaltigen Herstellung müsste der Brennstoff Kohle ersetzt werden. Für wirklich klimaneutralen Stahl müsste die Produktion komplett auf erneuerbaren Energie beruhen in Form von grünem Strom und grünem Wasserstoff, sagt Simon Wolf von Germanwatch.

Das soll in dem neuen Hochofen in Duisburg möglich sein. In der sogenannten Direktreduktionsanlage wird anstelle von Koks Gas oder Wasserstoff verwendet. Unter der Voraussetzung, dass grüner Wasserstoff und erneuerbare Energien eingesetzt werden, kann hier also grüner Stahl entstehen.

Bis 2038 muss die Stahlindustrie klimaneutral sein

Das Projekt in Duisburg wird vom Bund und von Land NRW zusammen mit etwa 2 Milliarden Euro gefördert. „Stahl als Grundstoff steht am Anfang vieler Wertschöpfungsketten. Die Energie- wie auch die Mobilitätswende sind ohne Stahl nicht denkbar“, sagt IG-Metall-Vorsitzender Jürgen Kerner.

Bisher wird aber kaum grüner Wasserstoff produziert, weil die fossilen Energieträger günstiger sind. Früher oder später wird sich das Preisverhältnis allerdings umkehren, sagt Germanwatch-Experte Wolf. Ab 2026 muss die Industrie für CO₂-Zertifikate zahlen. Die Preise für CO₂-Ausstoß sollen dann ansteigen und ab 2038 keine neuen Zertifikate mehr ausgegeben werden.

„Irgendwann zwischen 2027 und 2038 wird klimaneutraler Stahl also günstiger werden als grauer Stahl“, sagt Wolf. Der Ausbau grünen Stahls könne außerdem mit gesetzlichen Quoten gefördert werden oder indem bei staatlichen Bauprojekten bevorzugt grüner Stahl verwendet werde.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes stand, dass Brennstoffe ab 2027 in den europäischen CO₂-Zertifikatehandel aufgenommen werden. Das wurde korrigiert, da Brennstoffe bereits zuvor im Zertifikatehandel berücksichtigt werden und ab 2026 lediglich die kostenfreie Zuteilung von Zertifikaten an die Industrie schrittweise abgeschmolzen wird.

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8 Kommentare

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  • Speziell für die Kommentatoren weiter unten: Diese Subvention hier ist eine Anschubfinanzierung, um eine neue Technologie zur Anwendungsreife zu bringen. das scheint hier gelungen zu sein. Und ob sie sich am Ende durchsetzen wird (wovon ich überzeugt bin), wird die Zukunft zeigen.



    Und solche Investitionen und Projekte sind essentiell für eine Volkswirtschaft, wenn man technologischer Martkführer sein möchte, auch wenn sie u.U. scheitern.

  • Das ist ein klassischer Fall von fehlgeleiteten Subventionen!



    Es gibt keinen Markt für grünen Stahl und keinen grünen Wasserstoff.



    So kann garnicht die effizienteste Lösung zum Zuge kommen sondern die, die 2 Mrd. € schön versteckt.



    Ich hätte das Geld der Bahn gegeben, mit der Auflage, grünen Stahl zu verbauen. Dann hätte die Industrie rechnen und investieren können - und es wären wenigstens ein paar km Schienen für die Allgemeinheit geblieben.

  • Das einzige was sicher ist, ist dass unser Stahl extrem viel teurer wird. Entweder wird sich die Produktion dann verlagern, oder die EU muss weitere Schutzzölle auf Stahl vom Ausland erheben. Teurer wird es aber so oder so.



    Und grüner wird es leider auch nicht. Solange wir keine Erneuerbaren im Überfluss haben, sollte man damit nicht Wasserstoff mit einem extrem schlechten Wirkungsgrad herstellen. Dann müssen einfach andere Verbraucher mit Gas, Kohle und AKW versorgt werden. Dann von grünem Stahl zu sprechen, ist Greenwashing pur.

  • Kohle wird bei der Stahlherstellung nicht primär als Brennstoff, als Energieträger, gebraucht (schmelzen kann man auch elektrisch), sondern um das Eisenoxid des Eisenerzes zu Roheisen zu reduzieren. Und um hier die Kohle zu ersetzen, braucht man den Wasserstoff.

  • Dann muss nur jemand bis 2027 genug "grünen" Wasserstoff bereitstellen. Dafür fehlen aber noch die Großanlagen, die die Wasserstoffelektrolyse aus dem Chemieunterricht nicht nur mit Reagenzröhrchen, sondern sinnvoll in großem Maßstab umsetzt. Bis jetzt wird nur "grauer" Wasserstoff produziert, der aus Erdgas (Methan) hergestellt wird. Und dann muß der grüne Wasserstoff auch bezahlbar sein...

  • Die CO2 Bepreisung und den Emissionshandel als Treiber für die Produktion von grünen Wasserstoff zu sehen ist schon sehr fragwürdig, im Zweifel wird der Stahl andernorts günstiger hergestellt und importiert, funktionieren würde das doch nur, wenn die CO2 Bepreisung weltweit verbindlich wäre. Wie wäre es damit die Produktion von grünen Wasserstoff günstiger zu machen, da gäbe es sicher regulatorische, finanzielle und technologische Stellschrauben an denen man drehen könnte und man nicht darauf warten muss, dass fossile Energien teurer werden.

    • @Axel Schäfer:

      Es soll doch CO2-Zölle geben.

  • Die einzig relevante Frage lautet: Ist der grüne Stahl konkurrenzfähig?