Große Lohnlücke in Medienbranche: Bessere Noten, weniger Geld

In der Medienbranche ist der Gender Pay Gap überdurchschnittlich hoch. So verdienen Kameramänner rund 25 Prozent mehr als Kamerafrauen.

Eine Kamerafrau steht hinter einer Kamera

Sind nicht nur seltener, sondern verdienen auch weniger: Kamerafrauen Foto: Florian Treiber/Eibner-Pressefoto/imago

Es ist eine Branche, die sich gerne als progressiv, mit Blick auf gesellschaftliche Missstände sieht und zeigt. Aber in TV und Medien wird um Gleichberechtigung von Frauen und Männern nach wie vor gerungen. „Sie ist immer noch konservativ strukturiert“, stellt beispielsweise die US-Medienwissenschaftlerin Elizabeth Prommer fest, die an der Universität Rostock lehrt. „Etwa die Hälfte der Absolventinnen an Filmhochschulen in Regie und Drehbuch seit den 90er Jahren sind Frauen, das spiegelt sich im Beruf aber überhaupt nicht wider.“

Ein ähnliches Missverhältnis gibt es auch bei den Kameraleuten wie der Vorstandsvorsitzende des Berufsverbandes der Fernsehkameraleute Frank Trautmann bedauert. „Ich bin auch beim Ausbildungsgang Mediengestalter Bild und Ton involviert, da ist der Anteil von Frauen, die einen Abschluss erwerben, wesentlich höher als der Anteil derer, die dann im Beruf arbeiten, und Frauen schneiden beim Abschluss nicht schlechter ab als Männer, eher im Gegenteil“, sagt er, der auch die schlechten Aufstiegschancen im Bereich der festangestellten Kameraleute bemängelt: „Bei den Sendern sind alle Chefkameraleute Männer soweit ich weiß, da gibt es noch ganz viel nachzuholen.“

Seine Kollegin im Vorstand, Caroline Rosenau, wird genauso deutlich: „Unser Bereich ist nach wie vor eine Männerdomäne. Warum? Weil wir Kinder bekommen können, unsere Branche ist eine der familienunfreundlichsten Branchen überhaupt. Uns findet man vor allem im Low Budget – Bereich, etwa bei Independent – Filmen, für Prime Time Produktionen werden wir so gut wie nie eingesetzt.“

Einen „Gender Gap bei den Unternehmensgründungen“ hat entsprechend Rainer Weiland festgestellt. Bei den Stipendien des Mediengründerzentrum NRW, das er leitet, kam der Frauenanteil in den vergangenen fünf Jahren „nur“ auf 25 Prozent: „Und das, obwohl in den relevanten Medienstudiengängen Männer und Frauen oft gleichstark vertreten sind.“ Mit dem aktuellen Förderprogramm „Sheroes“ will das Mediengründerzentrum jetzt Frauen ermutigen und besonders fördern.

Zahlen der Künstlersozialkasse

Was Einkommen und Honorare angeht, gibt es auch in der Medienbranche keine wirkliche Offenheit. Und die unterschiedliche Bezahlung muss differenziert analysiert werden: etwa mit Vergleichen der Arbeitszeiten oder den beruflichen Positionen. Dennoch weisen die verfügbaren Zahlen eine klare Tendenz aus, lassen sogar vermuten, dass der Gender Pay Gap in der Medienbranche überdurchschnittlich hoch ist. Das hat wohl damit zu tun, das viele freiberuflich, selbstständig oder projektbezogen beschäftigt sind, also ihre Honorare selbst aushandeln können und müssen.

Langer Media jedenfalls hat letztes Jahr eine Umfrage unter 6.200 Film- und Fernsehschaffenden durchgeführt. Das Bruttojahreseinkommen 2020 lag demnach bei Männern bei rund 57.000 Euro, bei Frauen bei 41.600 Euro. Deutliche Unterschiede gab es in den einzelnen Berufsgruppen: Während Kameramänner im Durchschnitt 55.270 Euro verdienten, waren es bei den Kamerafrauen nur 40.310 Euro ein. Im Bereich Regie kamen weibliche Akteure auf 51.230 Euro, männliche auf 74.480.

Auch die Zahlen der Künstlersozialkasse (KSK), bei der die Versicherten aufgrund ihrer Vorjahresergebnisse die aktuellen Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit schätzen, sind deutlich: Moderatorinnen zum Beispiel erzielen für 2021 im Durchschnitt ein Arbeitseinkommen von 32.857 Euro an, männliche Kollegen 40.286 Euro. In allen Sparten der KSK schneiden Frauen klar schlechter ab als Männer.

Was das für die Altersabsicherung bedeutet, beschreibt Iris Gebing von der Pensionskasse Rundfunk (PKR), die eine betriebliche Altersvorsorge für Freie in Film, Funk und Fernsehen mit Zuschuss ihrer Auftraggebenden anbietet. Frauen nutzten dieses Instrument gleichermaßen wie Männer, um neben der gesetzlichen Rente zusätzlich vorzusorgen. Aber: „Bei der Rentenhöhe der aktuellen Leistungsempfängerinnen und -empfänger lässt sich allerdings eine Diskrepanz feststellen: Frauen erhalten rund ein Viertel weniger Rente als die männlichen PKR-Mitglieder. Hier könnten Equal Pay, gute Angebote für Kinderbetreuung und ein frühzeitiger Vorsorge-Start Abhilfe schaffen.“

Einen grundsätzlichen Erklärungsansatz schließlich, warum in der Film- und Medienbranche immer noch solch unterschiedliche Bedingungen herrschen, macht Prommer am Beispiel der Re­gis­seu­r*in­nen fest: „Jemand der Regie führt, muss sich voll einbringen können am Set, und Frauen, so die vorgefasste Meinung, könnten das nicht, weil sie etwa immer noch an ihre Familie denken müssten, so die Wissenschaftlerin, „es gibt immer noch das männlich konnotierte Bild des Künstlers, des Genies mit einem gewissen Wahn, und das wird honoriert.“

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