Filmbranche verliert an Sogwirkung: Nicht alle haben was vom Glanz

Wie sind die Arbeitsbedingungen von Film- und Fernsehschaffenden in Berlin? Das zeigt ein Gutachten. Und auch, warum die Branche Nachwuchsprobleme hat

Besucher sitzen im Kino International. In Berlin haben ab 15.11.2021 aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen an vielen Stellen nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt.

Kinokarten sind recht teuer – doch davon haben viele aus der Filmbranche nichts Foto: dpa/Fabian Sommer

BERLIN taz | Die Berliner Senatskanzlei hat am Mittwoch ein Gutachten zu den Arbeitsbedingungen von Film- und Fernsehschaffenden in Berlin-Brandenburg veröffentlicht. Aus diesem Gutachten, beauftragt vom Forschungsinstitut Langer Media research & consulting, geht hervor: In der Branche wird ganz gut verdient. Das Bruttojahreseinkommen von 54.498 Euro liegt weit über dem des bundesdeutschen Durchschnittseinkommens. Trotzdem kommt es in der Branche zu Nachwuchsproblemen. Das liegt zum einen daran, dass die Gehälter ungleich verteilt sind – und zum anderen halten viele ihren Beruf für unvereinbar mit familiären Pflichten und erleben zudem oft Diskriminierung.

Zuerst zu den Gehältern: Im Vergleich mit vielen Menschen, beispielsweise freien Dar­stel­le­r*in­nen an Theaterbühnen, verdienen die Film- und Fernsehschaffenden deutlich und teils sehr viel mehr. Dennoch geben in der Studie 52 Prozent der 6.201 Befragten an, dass sie ihren Lebensunterhalt mit dem Einkommen aus ihrer Haupttätigkeit nicht bestreiten können. 25 Prozent der Befragten führen weitere Tätigkeiten innerhalb der Branche, 21 Prozent außerhalb der Branche aus. 19 Prozent der Befragten bekommen staatliche Hilfe, 15 Prozent werden von der Familie unterstützt.

Hinzu kommt der Gender Pay Gap: Frauen verdienen im Schnitt bei Film und Fernsehen 35 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – sie sind also fast doppelt so abgehängt wie der bundesdeutsche Durchschnitt der Arbeitnehmerinnen, die 18 Prozent weniger verdienen als die Männer.

Nicht familienfreundlich

Ungleiche Bezahlung scheint dabei gar nicht das größte Problem zu sein, warum die eigentlich begehrte Branche laut Gutachten schon jetzt Probleme habe, Nachwuchs zu finden. Vielmehr stört fehlende Planungssicherheit: 91 Prozent der Film- und Fernsehschaffenden sind unregelmäßig beschäftigt oder selbstständig tätig. Daher sind 79 Prozent der Meinung, dass Beruf und Familie schwer oder nicht zu vereinbaren sind. Nur 41 Prozent sind mit ihren Arbeits- und Lebensbedingungen zufrieden.

Männlich dominierte Hie­rarchien, die sich auch im Gender Pay Gap ausdrücken, mögen mit zu den Gründen gehören, warum die Befragten überdurchschnittlich oft angeben, sexuell belästigt worden oder aufgrund ihres Alters, ihrer Religion, Hautfarbe oder der sexuellen Orientierung benachteiligt worden zu sein. 63 Prozent haben Diskriminierungen beobachtet, 46 Prozent haben sie erlebt. Diskriminierung sei ein strukturelles Problem der Filmbranche, schlussfolgert die Studie.

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