Graffiti für Integration: „Das ist daneben, was du da bringst“

Ray de la Cruz bringt Flüchtlingskindern das Sprayen bei, um ihren Zusammenhalt zu stärken. Mit dem Projekt ist er auf viele Vorurteile gestoßen.

Mit einem grünen Tier besprühte Hausfassade

Bis die Nachwuchssprayer so kunstvoll sprühen, wird es dauern. Foto: dpa

taz: Herr de la Cruz, warum bringen Sie Flüchtlingskindern das Sprayen bei?

Ray de la Cruz: Die Idee dahinter war, mit ein bisschen Farbe Abwechslung in ihren grauen Alltag zu bringen und das Warten auf den Asylbescheid zu erleichtern. Auch wenn die Kinder noch nicht gut Deutsch sprechen, mit Farbe können sie sich ausdrücken.

Was können die Kinder daraus lernen?

Zusammenarbeit. Hier kommen unterschiedliche Nationalitäten zusammen. Beim Sprühen werden Syrer, Iraner, Iraker, Afghanen und Tunesier eine Einheit.

38, sprayt hauptberuflich, aber nicht für jeden: Einem Thor-Steinar-Laden hat er eine Abfuhr erteilt.

In welchem Rahmen findet die Aktion statt?

Wir sprühen mit Kindern in einer Erstaufnahmeunterkunft in Kirchdorf Süd. Das Rote Kreuz stellt uns Wände zur Verfügung. Ich und Kollegen, die auch Graffiti machen, wollen den Kindern alle zwei Wochen verschiedene Elemente beibringen. Einer zeigt ihnen Buchstaben, ein anderer die Arbeit mit Schablonen. Sie sollen etwas Kreatives zu tun haben und nicht nur im Zelt chillen oder vor dem Bildschirm in der Aula. Sind Sie mit dem Projekt schon einmal auf Vorurteile gestoßen?

Ja, ich habe im Vorfeld viele Nachrichten von Freunden und Bekannten erhalten. Einige haben mich enttäuscht. So nach dem Motto, warum ich Scheinasylanten helfe. Da habe ich gesagt: „Hör zu, das ist daneben, was du da bringst. Es ist reiner Zufall, wo du geboren wurdest.“ Es gibt natürlich auch immer Leute, die fragen, warum man Kindern überhaupt Graffiti beibringt. Die verbinden das aber meistens mit Schmierereien auf der Straße und nicht mit Street-Art.

Was sagen Sie den Kindern über illegales Sprayen?

Das es nicht lohnt. Ich rate meinen Schülern davon ab. Vor 20 Jahren war das ein Kavaliersdelikt, heute wird es als Vandalismus hart verfolgt.

Was für Motive sprühen denn die Kinder?

Sie malen die Motive, die ihnen gerade einfallen. Ich möchte sie nicht beeinflussen. Am Ende kombiniere ich die Teile so, dass es ein Gesamtbild ergibt.

Wie sind Sie zum Sprayen gekommen?

Mein Vater hat mir aus New York eine CD von Grandmaster Flash mitgebracht. Im Booklet waren Graffiti. Das hat mich beeindruckt, weil ich so etwas in Hamburg noch nie gesehen hatte – Buchstaben, die aussehen wie Hubba-Bubba-Blasen.

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