Globale Mindeststeuer: Sozialdemokratische Politik

Die Einigung über die globale Mindeststeuer ist ein großer Fortschritt. Trotzdem müssen die Verhandlungen über höhere Steuern fortgesetzt werden.

Abendlicher Blick auf das Londoner Finanzzentrum

Der Finanzplatz London hält nichts von einer globalen Mindeststeuer Foto: Westend61/imago

Der Plan von Olaf Scholz scheint zu funktionieren. Das muss man zur Kenntnis nehmen – und würdigen. Der Bundesfinanzminister hat ein internationales Abkommen zur Unternehmensbesteuerung angestrebt. Und bald kommt es wohl: VW & Co. können ihre Auslandsgewinne dann nicht mehr so gut am Finanzamt vorbeischleusen, Internetkonzerne wie Amazon zahlen etwas mehr Abgaben in Europa.

Während seine Kri­ti­ke­r:in­nen einen europäischen Alleingang forderten, setzte Scholz auf den Konsens mit den USA. Ihn motivierte auch die Angst vor Sanktionen Washingtons gegen deutsche Firmen, eine zu Zeiten des Ex-Präsidenten Donald Trump sehr berechtigte Befürchtung. Das nahezu globale Steuerabkommen demonstriert klassische sozialdemokratische Politik: staatliche Regulierung des Weltmarktes im Sinne des sozialen Ausgleichs.

Die zusätzlichen Steuereinnahmen kann man für Schulen oder Gesundheitsämter ausgeben. Zur Tragik von Scholz und der SPD gehört jedoch, dass dieser Erfolg wie ähnliche andere – Lieferkettengesetz, Mindestlohn, Mindestrente – momentan kaum zusätzliche Wahlstimmen-Prozente bringt. Und Kompromissen wie dem Steuerabkommen, ausgehandelt zwischen zahlreichen widersprüchlichen Interessen, wohnt die berechtigte Kritik immer auch inne. Vielleicht wäre mehr möglich gewesen.

Nur 15 Prozent Mindeststeuer? Hier zahlen die Unternehmen doch 30 Prozent. Nur die 8.000 größten Firmen weltweit sind betroffen? Warum nicht die Mehrheit der international tätigen Wirtschaft? Außerdem gibt es Ausnahmen für Banken, und die Internetkonzerne werden vermutlich nur ein paar Milliarden Euro mehr in Europa abliefern. Diese Argumente stimmen alle. Das ist der Stoff für die nächste Verhandlungsrunde. In zehn Jahren vielleicht.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Geboren 1961, ist selbstständiger Wirtschaftskorrespondent in Berlin. Er schreibt über nationale und internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik. 2020 veröffentlichte er zusammen mit KollegInnen das illustrierte Lexikon „101 x Wirtschaft. Alles was wichtig ist“. 2007 erschien sein Buch „Soziale Kapitalisten“, das sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Bis 2007 arbeitete Hannes Koch unter anderem als Parlamentskorrespondent bei der taz.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de