Giffeys Vor-Ort-Impfen: Strategie ohne genaue Analyse

Für den neuen Impfansatz gerade in Brennpunkten scheint es keine feste Basis zu geben. Konkreten Impfzahlen für Kieze und Stadtteile liegen nicht vor.

Das Foto zeigt Regierungschefin Franziska Giffey (SPD) bei einer Pressekonferenz im Roten Rathaus.

Regierungschefin Giffey präsentierte einen neue Impfansatz. Eindeutige Fakten dafür aber stehen aus Foto: dpa

BERLIN taz | Die neue, dezentral angelegte Impfstrategie von Regierungschefin Franziska Giffey (SPD) beruht offenbar nicht auf einer eindeutigen Faktenbasis. Giffey hatte am Dienstag nach der Senatssitzung vor Journalisten angekündigt, dass es künftig zu Fuß zu erreichende Impfangebote in Brennpunkten geben soll. Dort sah sie noch viel Potenzial bei Menschen, an denen bisherige Angebote auch aus Sprachschwierigkeiten vorbeigingen. Als Beispiele nannte sie Neukölln, den Wedding und Spandau/Heerstraße Nord.

Auf Nachfrage der taz, auf welcher Faktenbasis diese erkennbar auf Migrantengruppen ausgerichtete Strategie fußt und ob es konkrete Zahlen gebe, hieß es am Donnerstag jedoch von der ehemals von der SPD und seit Dezember grün geführten Senatsverwaltung für Gesundheit und Wissenschaft: „Eine Analyse der Zusammenhänge zwischen Migrationsstatus/sozialer Lage und Impfstatus wurde bislang im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung nicht vorgenommen.“ Der Corona-Lagebericht von Giffeys Senatskanzlei wies am selben Tag unter dem Stichwort „Impfungen“ nur berlinweite Zahlen aus, aber keine für einzelne Bezirke, umso weniger für Stadtteile und Kieze.

Senatssprecherin Lisa Frerichs verwies die taz bei derselben Nachfrage auf die Gesundheitsämter der Bezirke und auf eine höhere Quote von Coronafällen in den Innenstadtbezirken. Der Senat fokussiert sich nach ihrer Darstellung bei der Strategie des dezentralen und aufsuchenden Impfens, bei dem die 49 Familienzentren Berlins eine große Rolle spielen sollen, nicht auf Bevölkerungsgruppen mit einem bestimmten Migrationshintergrund.

Regierungschefin Giffey hatte allerdings am Dienstag wiederholt von Gruppen gesprochen, bei denen Sprachprobleme die Akzeptanz von Impfungen erschweren würden. Zudem sagte sie: „Die Frage des Inanspruchnehmens des Impfens ist auch eine Integrationsaufgabe – nicht nur, aber auch.“ Imame könnten aus Sicht der Regierungschefin als Multiplikatoren dienen. Von der Senatsverwaltung für Gesundheit hieß es, man biete „in allen Bezirken Berlins niedrigschwellige Impfangebote an – mit den Mobilen Teams in den Stadtteilen und in den Impfzentren.“

In der Pressekonferenz am Dienstag hatte Giffey auch angekündigt, sich dazu noch am folgenden Nachmittag mit der Integrationsbeauftragten des Landes, Katarina Niewiedzial, zu treffen. Erstes Ergebnis ist laut Senatssprecherin Frerichs, dass Niewiedzial angeboten habe, ihre Kontakte in verschiedenen Bevölkerungsgruppen an einen Tisch zu holen.

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