Getränke in Fußballstadien

Lob des Becherumstiegs

Fahrverbote sind nicht genug: Die Deutsche Umwelthilfe wendet sich nun dem Profifußball zu. Aber noch bleibt sie viel zu inkonsequent.

Ein Plstikbecher im Stadion

Einwegbecher hatte Dynamo Dresden bereits im Jahr 2005 – und hat sie bis heute noch Foto: ap

Borussia Dortmund weist den rechten Weg. Dem Klub ist der „Becherumstieg“ gelungen. Das verkündet stolz die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die erst kürzlich mit dem innovativen Vorschlag Schlagzeilen machte, man müsse den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Beugehaft nehmen, um das Klima zu retten.

Die Rettung kann schon mit dem Umstieg auf Mehrwegbecher beginnen, das weiß die Umwelthilfe, die zwar noch keines ihrer Mitglieder in einer sündteuren Hochseejacht über den Atlantik hat schippern lassen, aber zumindest erkennen lässt, dass der Populismus kein Privileg rechter Trollverbände ist.

Bisher kümmerte sich die Umwelthilfe um Nichtsportives. Sie will ja eine Lebenshilfe für Bürger sein, die so etwas wie Umweltreaktionäre sind, also noch in ihrem alten Schleifer herumdieseln, mit Stickstoffdioxid das innerstädtische Klima verpesten und ihre Feinstaubschleudern im Wohnzimmer mit Holz bestücken.

Die Umwelthilfe hilft dem ökologisch noch unmündigen Bürger dabei, sich selbst in einen DUH-Avatar zu transformieren, der im Sündenregister des Verbandes keine Einträge mehr hat. Da gibt es vor allem in den deutschen Fußballstadien noch richtig viel zu tun, denn nicht allen ist der „Becherumstieg“ gelungen.

Früher war das Mittelmeer Zentrum der Identität Europas, heute wenden sich die Menschen von ihm ab. Ein Essay über ein Meer, das Hilfe braucht – in der taz am wochenende vom 17./18. August. Außerdem: Die Polizei möchte Bienen zur Drogenfahndung einsetzen. Science Fiction oder bald Realität? Und: In Belgien bekommen Obdachlose schnell eine Wohnung, in Deutschland nicht. Eine Reportage. Ab Samstag am Kiosk, im eKiosk, im praktischen Wochenendabo und bei Facebook und Twitter.

Die Umwelt- und Lebenshilfe hat deswegen so eine Art Becherpranger ins Netz gestellt, und wir sehen, dass politische Unzuverlässigkeit nicht selten mit ökologischer Hand in Hand geht. Weil diese Rückständigkeit kein Zufall sein kann, wollen wir die Einweg-Übeltäter an dieser Stelle allesamt benennen: Schalke, Mainz, Hoffenheim und Augsburg, Aue, Dresden, Darmstadt, Wiesbaden, Osnabrück und Heidenheim, Hamburg, Bochum, Chemnitz (sic!), Würzburg, Zwickau, Halle, Meppen, Münster, Rostock und Groß­aspach.

Umweltsäue im Osten

Auffällig häufig wüten die Umweltsäue im Osten, aber wen wundert das schon, müssen doch gerade diese Landstriche erst noch mit den Ökofibeln der DUH beschult werden. Andererseits hat man hier 30 Jahre nach dem Mauerfall den Fußball so ordentlich heruntergewirtschaftet, dass vergleichsweise wenige Besucher ihre Biere im Einwegbecher saufen und folglich auch der Westbürger ein schlechtes Gewissen bekommen sollte.

Dass sich die DUH, die schon 1975 gegründet wurde, nun in die umwelttechnisch eher gemütlichen Belange des Sports einmischt, ist großartig, allerdings wäre es wünschenswert, dass die „Verbraucherschützer“ aus Hannover nicht bei der Konversion vom Einweg- zum Mehrwegsystem haltmachen, sondern ihr Augenmerk auf weitere Verfehlungen richten würden.

Nur ein paar der Fragen, die der Klärung harren: Warum sind die Trikots im Fanshop nicht aus Biobaumwolle? Wurden die Schlappen der Spieler fair geschustert? Müssen die Plastiknetze im Rasen wirklich sein? Ist nicht das Ende der elektronischen Werbebanden geboten, weil sie so viel Strom schlucken? Und was ist mit den Höhensonnen für Grashalme, die in den schattigen Stadien ständig aufgepäppelt werden? Muss nicht auch die Stadionwurst weg, weil ihre pure Existenz der Klimaneutralität hohnspricht und zu allem Übel auch noch die karnivoren Fresssäcke schädlich flatulieren lässt?

Es gibt so viel zu tun. Becher­umstiege können nur ein Anfang sein.

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Seit 1998 mehr oder weniger fest bei der taz. Schreibt über alle Sportarten. Und auch über anderes.

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