Geschlecht im Kinderfernsehen: Von Hasen und Häsinnen

In Sendungen für junge Zielgruppen wimmelt es von männlichen Tieren – und männlichen Baggern. Wenn es mal Mädchen gibt, sind die meist rothaarig.

Porzellanhäschen im Gras, eins mit rotem Kleid, eins mit blauer Hose

Liebe Kinder: Häs*innen! Foto: Rene Traut/imago

Wir laufen ja gerade wieder ungebremst in ein Feiertags-Wochenende. Ostern: Das Fest der Auferstehung, weshalb sich zuerst wer ans Kreuz nageln lassen musste und so weiter. Wie alle adaptiert-christlichen Feste ist die Geschichte natürlich viel älter. Und läuft heute meist weltlich-lockerer ab: Eier werden gefärbt, Hasen gebastelt, Osterbrot gebacken.

Allein – Hase bleibt Hase. Wo ist die Häsin in unserer ach so genderbewussten Zeit? Obwohl das mit den Eiern schon seit 60.000 Jahren üblich ist – und nebenbei gesagt nicht gerade auf einen männlichen Zyklus hinweist. Aber bis heute läuft es in etwa so: Da klaut der Macho-Hase den Hühnern die Eier, um sich bei den Kindern einzuschleimen.

Und dieses männergemachte Weltbild, ob christlich geprägt oder nicht, ob Osterhasi oder Nikolausi, hat sich natürlich auch in den Medien breitgemacht. Selbst die unbelebte Natur, die fürs Fantasie-Fernsehen für junge Zielgruppen gern zum Leben erweckt wird, ist überwiegend maskulin. In der Kinderwelt wimmelt es von Tieren und animierten Sachen, die wunderschön divers sein könnten. Aber der gelbe Bagger heißt natürlich Jack. Und Sponge-Bob Schwammkopf ist eben ein Bob und kein neutraler Schwamm.

2017 gab es dazu eine Studie der Universität Rostock in Zusammenarbeit mit der MaLisa-Stiftung und allen großen Sendern von öffentlich-rechtlich bis privat. Eine Studie, die endlich auch wissenschaftlich belegte, dass es im Kinderfernsehen sogar tierisch männlicher zugeht als im schon schlimmen Real-TV für Erwachsene.

Mansplaining mit Erklärbärchen, eben.

Brot bleibt Brot

„Das Kinderfernsehen, welches die nachfolgende Generation bilden und unterhalten soll, ist somit rückständiger als Film und Fernsehen für Erwachsene“, bilanzierte Maya Götze vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) damals. Und wenn es ausnahmsweise mal starke Mädchen gibt, dann sind sie immer noch vor allem rothaarig und in jedem Fall stereotyp schön, ausgesprochen schlank und hypersexualisiert.

Und seither? Was ist in den letzten fünf TV-Jahren passiert? Also außer dass in Sonntagsreden mit Abscheu und Empörung auf das Problem hingewiesen wird?

Immerhin führen #MeToo, der Prozess gegen Harvey Weinstein und die internationale Debatte zu Diskussionen – und schleichend zu neuem Bewusstsein. Gleichzeitig machen Cancel Culture und um sich greifender Puritanismus vieles gleich wieder zunichte.

Von Osterhäsinnen ist dabei allerdings nie die Rede. Vom Kinderfernsehen auch kaum. Vielleicht wurde es im KiKa-Latelounge-Klangteppich bislang nur immer überhört. Bernd das Brot hat jedenfalls einen zutiefst männlichen Vornamen. Aber ist und bleibt trotzalledem – das Brot.

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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