Gentrifizierung in Berlin: Alle für einen Späti

Auch im Prenzlauer Berg ist die Gentrifizierung noch nicht abgeschlossen: AnwohnerInnen demonstrieren für den Erhalt eines Spätis in der Raumerstraße.

Späti-Kultur in Berlin Foto: picture alliance/Christophe Gateau/dpa

BERLIN taz | „Späti Raumer 6 – Kiezkultur erhalten“, steht auf einem Plakat, das zu einem Straßenfest am Samstagnachmittag eingeladen hat. Ab 14 Uhr wurde auf zwei Bühnen Musik und Theater geboten. An einen Stand konnten T-Shirts mit dem Motto des Fests, „Kiezkultur erhalten“, bedruckt werden. Familien mit Kindern nahmen ebenso an dem Fest teil, wie Jugendlichen und ältere Menschen.

„Ich wohne in der Umgebung und will mich bei Züleyha und Özgür Simsek bedanken“, sagt eine Anwohnerin. Die Fotos der beiden Späti-BetreiberInnen sind auch auf vielen Plakaten zu sehen. „Am 20. August muss ich nach fünf Jahren den Laden verlassen“, sagt Özgür Simsek zur taz. Ein Gericht hatte den Gewerbemietvertrag wegen eines Formfehlers, den die Simseks aber nicht verschuldet haben wollen, für unwirksam erklärt: Im Briefkopf fehlte eine Adresse. Die Unterstützung durch die Nachtbarschaft bezeichnen die Simseks als wichtige Ermutigung.

„Wir wollten mit dem Straßenfest zeigen, dass die Unterstützung für den Späti groß ist. Jetzt ist es auch ein Abschiedsfest für Züleyha und Özgür Simsek geworden“, erklärt David von der Vorbereitungsgruppe. Dort engagieren sich Menschen aus der Nachbarschaft, die sich regelmäßig vor dem Späti getroffen haben. „Als wir von der Kündigung hörten, dachten wir: Dagegen müssen wir aktiv werden.“

Erfolgloser Vermittlungsversuch

Die Gruppe mobilisierte auch in den sozialen Netzwerken für den Erhalt des Spätkaufs. Eine Petition mit dieser Forderung richtete sich an die Hauseigentümerin. Die war allerdings zu keinen Gesprächen bereit. Auch ein Vermittlungsversuch von Andreas Otto, der für die Grünen im Abgeordnetenhaus sitzt, hatte keinen Erfolg.

„Es geht um mehr Profit, und da wird ein Kieztreffpunkt einfach platt gemacht“, moniert eine Anwohnerin. Der Laden war ein „Anlaufort für Jugendliche, Sozialschwächere und Unangepasste“, heißt es in einer 20-seitigen Broschüre über „urbanen Aktivismus im Kiez“.

Einige der AktivistInnen wollen weiterhin gegen Verdrängung im Kiez arbeiten, die auch in Prenzlauer Berg – das zeigt diese Demo am Samstag letztlich auch – durchaus noch nicht abgeschlossen ist. Derweil suchen Züleyha und Özgür Simsek nach einen neuen Laden in der Umgebung. So könnte die Geschichte eines Spätis, für den KundInnen auf die Straße gehen, doch noch weitergehen.

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