Gehen leichter gemacht: Fußgänger vor!

Die Stadt Flensburg will den innerstädtischen Fußverkehr fördern. Dafür müssen Wege frei gemacht werden.

Fußgänger werfen ihren Schatten auf das Straßenpflaster

Sollen bald noch mehr werden: zu Fuß Gehende in Flensburg Foto: Frank Molter/dpa

Es sind 35 Milliarden Kilometer, die die Deutschen pro Jahr zu Fuß gegen – ein beachtlicher, aber selten beachteter Beitrag zum Verkehr, sagt der Fachverband Fußverkehr Deutschland, kurz FUSS e. V. Wie es besser geht mit dem Gehen, testen bundesweit einige Modellstädte, darunter Flensburg. Die Verwaltung will „andere Arten der Fortbewegung attraktiver machen, um den Verzicht aufs Auto zu erleichtern“, sagt Rathaussprecher Christian Reimer.

So weit die schleswig-holsteinische Landschaft um die Stadt herum reicht, so eng ist es im Flensburger Zentrum: Auf der einen Seite liegt die Förde, auf der anderen steigen schroffe eiszeitliche Hügel auf. Alte Backsteinhäuser stehen an engen Straßen, hinter Toreinfahrten öffnen sich Höfe, die teilweise privat, teils von Cafés und Läden genutzt werden. An den Fahrbahnrändern parken Fahrzeuge dicht an dicht, im Schneckentempo schieben sich Wagen vorbei, offenkundig auf der Suche nach einer Lücke. Dass der Verkehr ein Problem ist, ist zu sehen. Zudem will die Stadt ihre Klimaziele erreichen und muss die Produktion von CO2 abbauen, „und da haben wir im Bereich Mobilität am meisten zu tun“, so Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD).

Mit einem „Masterplan Mobilität“, der bis 2030 umgesetzt werden soll, will Flensburg die Zahl der privaten Fahrzeuge verringern. Unter anderem fand in diesem Jahr eine Bür­ge­r*in­nen­be­fra­gung statt, um neue Parkkonzepte zu entwickeln und Verkehr aus der Stadt herauszuhalten. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, bedauert Rathaussprecher Reimer.

Gehen ist höchst effizient

Den Fußverkehr zu stärken, ist ein neuer Ansatz. Der Fachverband FUSS, dessen Zentrale in Berlin liegt, wirbt dafür, den Beitrag des Gehens für den Verkehr und den Klimaschutz wichtiger zu nehmen. Denn Gehen sei höchst effizient: Das Auto als meist benutztes Verkehrsmittel lege zwar 75 Prozent aller Kilometer zurück, bringe die Menschen aber oft gar nicht bis ganz ans Ziel. Dieses Argument habe auch im Flensburger Rathaus überzeugt, sagt Christian Reimer: „Wir sind immer auch Fußgänger.“

Daher hat sich die 90.000-Einwohner*innen-Stadt an der dänischen Grenze für das Programm beworben. In diesem Jahr hat FUSS außerdem Braunschweig, Erfurt, Meißen und Wiesbaden ausgewählt. Alle Städte erhalten Beratungen und „Bausteine für Fußverkehrsstrategien“, die der Verband, gefördert durch das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt, in den vergangenen Jahren entwickelt hat.

„Besonders spannend waren die Fußverkehrschecks, die wir überall gemacht haben“, so Projektkoordinator Patrick Riskowsky. „Verwaltungsbeschäftigte und Kom­mu­nal­po­li­ti­ke­r*in­nen waren zwar schon vorher zu Fuß in ihrer Stadt unterwegs, hatten aber Stärken und Schwächen der Fußverkehrsinfrastruktur noch nie systematisch betrachtet – von der idyllischen Wohnstraße bis zur fußgängerfeindlichen Großkreuzung.“

Gehwegparken als Problem

Flensburg und die anderen diesjährigen Modellkommunen werden in den kommenden Monaten Konzepte entwickeln, um Wege für das Gehen frei zu machen – das ist durchaus buchstäblich gemeint. Denn „es gibt Probleme, die in fast allen Städten auftraten: Das erste ist Gehwegparken zu Lasten der zu Fuß Gehenden, das zweite sind Konflikte mit dem Radverkehr“, so Riskowsky.

Auch einige Wünsche wiederholen sich fast überall: Mehr verkehrsberuhigte Bereiche, mehr Zebrastreifen, Mittelinseln und Gehweg-Nasen, mit denen Fahrbahnen verschmälert und Sichtbeziehungen zwischen Gehenden und Fahrenden verbessert werden.

In den nächsten Monaten wird in Workshops ein Maßnahmenkatalog entstehen. Parallel sucht die Stadt Freiwillige als „Quartiers-Geher*innen“. Sie werden vom Fachverband Fußverkehr eine Schulung erhalten und sollen in ihren Stadtteil „zum Bindeglied zwischen Zivilgesellschaft und Verwaltung“ werden.

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Dieser Artikel stammt aus dem stadtland-Teil der taz am Wochenende, der maßgeblich von den Lokalredaktionen der taz in Berlin, Hamburg und Bremen verantwortet wird.

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