Gefakte Landkarte des US-Präsidenten: Sterne, Wasser und Kilometer
Donald Trump postet eine Karte, die Kanada, Grönland, Mexiko, Kuba und Island in die Stars and Stripes hüllt. Hat was von mittelalterlichen Despoten.
I sland ist rund 103.000 km² groß. Und es gehört zu Europa. Also nach bisherigem Verständnis. Auch wenn die Isländer:innen erst letztens in einem Referendum klargemacht haben, dass sie so gar nicht zur Europäischen Union gehören wollen – rein geografisch liegt die kleine Insel mit gerade mal knapp 400.000 Einwohner:innen ganz im äußersten Nordwesten Europas.
Das alles interessiert den Mann im Weißen Haus natürlich nicht. Kürzlich postete er auf seinem Propagandakanal Truth Social eine Grafik, die Kanada, Grönland, Mexiko, Kuba und ja, auch Island in die Stars and Stripes hüllt. Der nächste Irrsinn des machtgierigen US-Präsidenten? Einen Kommentar brauchte es nicht unter der gefakten Landkarte. Ernst genommen wurde sie auch so.
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Der US-Botschafter in Island wurde ins Außenministerium in Rejkjavik einbestellt: Diese Vereinnahmung verbitte man sich. Die Kanadier blieben cool: Sie stehen mitten im von Trump losgetretenen Zollkrieg, und der ist dramatischer als eine Grafik. Um das rohstoffreiche Grönland mit dem Status eines autonomen Territoriums Dänemarks buhlt bereits die EU mit vereinten Kräften der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen. Und in Mexiko und Kuba kennt man die Gelüste Washingtons seit 200 Jahren.
Trump in der Tradition königlicher Despoten
Die Profession des Kartografen ist ein relativ neuer Begriff, taucht er doch in dieser Form erstmals im 19. Jahrhundert auf. Davor nannte man Menschen, die die Welt zeichnen, Weltbeschreiber, Kosmografen, Kartenmaler oder Kartenmacher. Sie hatten das Ansinnen, mit ihren Mitteln und politischen Aufträgen Ländereien zuzuordnen, zu benennen, im Machtgefälle der Geschichte darzustellen. Einige ihrer Grundlagen dafür: die Sterne, Quadratkilometer, Wassergrenzen. In despotischen Zeiten auch die Anweisung des Königs.
Trump sieht sich wohl in der Tradition der Letztgenannten. Jedenfalls irgendwo mehrere Jahrhunderte vor der Moderne. Als kürzlich in der UN-Generalversammlung darüber abgestimmt wurde, die 500 Jahre alte Mercator-Projektion der Weltkarte durch eine neue zu ersetzen, in welcher die Größenverhältnisse realistischer dargestellt sind, stimmten einzig die USA dagegen.
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