„Gedenkort von unten“ in Berlin: Eine Bühne für Wohnungslose

Im Wedding macht ein Denkmal auf die Bedürfnisse von Obdachlosen aufmerksam – und stellt einen Bezug zur geräumten Habersaathstraße 46 her.

Zelt an Hauswand im Schnee

Ein Zelt kann nicht jeder sein eigen nennen, der auf der Straße leben muss Foto: dpa

BERLIN taz | An diesem nasskalten Freitagmittag sind nur wenige Menschen im Wedding unterwegs. Es ist genau das passende Wetter für die Einweihung eines Denkmals der Wohnungslosen. Mit ihm soll an die Menschen erinnert werden, die keine Möglichkeit haben, sich vor den Unbilden der Natur zu schützen.

Um Punkt 13 Uhr wird das Denkmal in Form einer kleinen, runden Bühne an der Kreuzung Maxstraße/Schulstraße unweit des Leopoldplatzes in den Boden gelassen. Auf der Holzplatte finden sich Aussagen, mit denen Wohnungslose begründet haben, warum sie letztes Jahr in den seit Jahren entmieteten Gebäudekomplex Habersaathstraße 46 gezogen sind. Nachdem der Eigentümer einen Strafantrag gestellt hatte, wurden sie innerhalb weniger Stunden geräumt. Die Gebäude steht bis heute zum größten Teil leer.

„Ich brauche eine Wohnung, weil ich alt und krank bin.“ „Ich brauche eine Wohnung, damit ich mich duschen kann.“ So lauten einige der Wünsche der Wohnungslosen, die nun hier zu lesen sind. Einige von ihnen betonen in kurzen Redebeiträgen noch einmal, wie nötig für sie gerade in der kalten Jahreszeit eine Wohnung ist.

„Das Denkmal soll den Obdachlosen, über die im Straßenbild oft hinweggesehen wird, eine Stimme geben“, erklärt Viktoria Hauser von der Initiative „Leerstand hab ich saath“, die im letzten Jahr die Besetzung in der Habersaathstraße unterstützt hat. Wie schon das Denkmal für die Opfer rassistischer Gewalt am Oranienplatz in Kreuzberg soll es an die Opfer struktureller Gewalt erinnern – denen eine Wohnung verweigert wird und die oft vorher zwangsgeräumt wurden. In beiden Fällen handele es sich um einen „Gedenkort von unten“, für den keine behördliche Genehmigung beantragt worden sei, betont Hauser.

Auf Leerstand aufmerksam machen

Die Polizei schreitet während der Aktion nicht ein. Parallel zur Einweihung macht das Bündnis „Mietenwahnsinn Nord“ auf ein seit Längerem leerstehendes Wohnhaus aufmerksam, das sofort von Wohnungslosen bezogen werden könnte. Das Bündnis hat in den letzten Monaten verschiedene Leerstände im Wedding und in Moabit öffentlich gemacht. Dabei wird es von An­woh­ne­r*in­nen unterstützt, die darauf aufmerksam machen, wenn Häuser entmietet werden, was für manche EigentümerInnen ein Geschäftsmodell ist. Das Bündnis hat eine Petition lanciert, die vom Bezirksamt Mitte fordert, den Leerstand von Wohnraum zu beenden.

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