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Fußball in FrankreichZinédine Zidane soll französischer Nationaltrainer werden

Der größte Fußballer in der Geschichte Frankreichs steht Medienberichten zufolge vor einem Comeback im Profifußball: als Coach der Équipe Tricolore.

Zinédine Zidane soll neuer Trainer der französischen Fussballnationalmannschaft werden Foto: Pierre Teyssot/IPA/picture alliance

Am Abend des 12. Juli 1998 strömten 1,5 Millionen Menschen auf die Champs-Élysées. Kurz zuvor war Frankreich zum ersten Mal Fußballweltmeister geworden, im eigenen Land, und Zinédine Zidane hatte zwei Tore geschossen. Während unten die Massen feierten und sangen, erstrahlte auf dem Arc de Triomphe ein riesiges Porträt von Zizou. Darüber blinkten immer wieder die Worte „Zidane Président“ auf.

Es ist vor allem eine dem Siegestaumel entsprungene Sottise, aber nicht nur: Im französischen Parlament fordern Abgeordnete, Zinédine Zidane zum Weltbotschafter der Republik zu machen, der damalige Präsident Jacques Chirac sieht in der Mannschaft um Zidane das Abbild eines modernen Frankreichs: „tricolore et multicolore“. Zinédine Zidane wird zum Emblem eines Landes, das seine inneren Zerrissenheiten überwindet und dadurch Großes zu leisten imstande ist. Er, der größte Fußballer in der Geschichte Frankreichs (in Frankreich sagen viele: der Welt), in dessen Beinen die ganze Magie des Sportes steckt, der aber mit seiner Stirn die Geschichte des Landes verändert hat: zuerst eben 1998, als er im Finale zweimal gegen Brasilien einnickte; dann, 2006, als er gleichfalls im Finale mit einem Kopfstoß seinen Gegenspieler Marco Materazzi niederstreckte. Jetzt soll er Medienberichten zufolge nach der nächsten WM französischer Nationaltrainer werden.

Es ist nicht nur der französische Staat, der versucht, Zinédine Zidane für sich zu reklamieren: Seine Eltern sind aus Algerien eingewandert, und er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich dem Land verbunden fühlt. Sein zweiter Sohn, Luca Zidane, spielt inzwischen für die algerische Nationalmannschaft. Zinédine Zidane ist außerdem Marseillais, dort ist er aufgewachsen und der Stadt ist er auch weiterhin verbunden. Seine ersten beiden Söhne kamen auf die Welt, als er in Turin spielte – ihnen gaben er und seine Frau italienische Vornamen, ein Umstand, der in Algerien Kontroversen auslöste. Und durch seine lange Zeit bei Real ist er auch Madrileño – alle seine Kinder durchliefen die dortige Fußballakademie. Es ist diese multitude, die Zidane zu einer idealen Projektionsfläche für ganz unterschiedliche Interessen und Identitäten macht.

Das vielleicht außergewöhnlichste an Zinédine Zidane ist, dass er an diesen vielen Erwartungen und Zuschreibungen nicht gescheitert ist. Noch heute taucht er in Beliebtheitsumfragen in den Top20 auf, regelmäßig vor noch aktiven Spielern wie Kylian Mbappé oder Antoine Griezmann. Was er davon hält, ist nicht klar: Zidane äußert sich quasi nie zu gesellschaftlichen oder gar politischen Themen. Mit einer Ausnahme: Gegen den Front National hat er sich immer eindeutig positioniert.

Als Trainer hat er bei Real Madrid bewiesen, dass er in der Lage ist, aus einer Ansammlung von fantastischen Spielern ein Team zu formen. Dreimal gewann er in fünf Jahren die Champions League. Über sich selbst sagt er, er sei nicht der beste Trainer und taktisch auch nicht außergewöhnlich beschlagen. Was er aber sehr gut im Griff hat, ist die Kabine: Eitelkeiten austarieren, Animositäten zwischen den Spielern moderieren, ohne dass allzu viel an die Öffentlichkeit gelangt. Und gerade weil die Équipe tricolore in der Vergangenheit gerade an diesen Eitelkeiten und Animositäten mehr als einmal gescheitert ist, scheint Zidane die naheliegende und beste Wahl.

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