Fusion von Medienhäusern: RTL übernimmt Gruner + Jahr

Der Kölner Fernsehsender kauft das Verlagshaus für 230 Millionen Euro. Mit dem Zusammenschluss wolle man großen US-Tech-Plattformen Paroli bieten.

Fahnen des Fernsehsenders RTL stehen auf dem Platz vor dem Firmengebäude.

Zur Mediengruppe RTL Deutschland in Köln gehören demnächst auch Marken wie der „Stern“ Foto: Henning Kaiser/dpa

HAMBURG reuters | Die Sendergruppe RTL in Deutschland und das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr werden zusammengelegt. RTL habe mit dem gemeinsamen Eigner, dem Gütersloher Familienunternehmen Bertelsmann, die Übernahme der deutschen Magazingeschäfte und Marken von Gruner + Jahr für 230 Millionen Euro vereinbart, teilte die RTL Group am Freitag mit. Gruner + Jahr werde damit seine Magazin-Marken wie Stern, Brigitte, Geo, Capital, Schöner Wohnen, Eltern und Art sowie seine umfassende journalistische Expertise einbringen. Der Abschluss der Transaktion sei für den 1. Januar 2022 vorgesehen.

Die Synergien aus dem Zusammenschluss schätzt die RTL Group auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Sie sollen schrittweise steigen und im Jahr 2025 vollständig werden. Drei Viertel davon kämen durch zusätzliches Wachstum zustande, sagte ein Sprecher. Etwa ein Viertel entfalle auf Einsparungen, darunter auch bei den Personalkosten. Die Höhe eines möglichen Personalabbaus stehe noch nicht fest. RTL und Gruner + Jahr zählen hierzulande zusammen gut 7600 Mitarbeiter. Gruner + Jahr werde auch in Zukunft seinen Sitz in Hamburg haben, hieß es.

Mit dem Zusammenschluss wollen die beiden Medienhäuer großen Tech-Plattformen und Streamingdiensten wie Netflix, Amazon, Google und Facebook Paroli bieten, die einen immer größeren Teil des Werbemarktes beherrschen.

Die RTL Group verbuchte in der ersten Jahreshälfte nach eigenen Angaben ein Rekordergebnis und hob den Ausblick für 2021 an. Der Konzernumsatz soll bei rund 6,5 Milliarden Euro liegen, 300 Millionen Euro mehr als bisher in Aussicht gestellt. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) peilt RTL gut eine Milliarde Euro an – nach bisher geplanten 975 Millionen Euro.

Die RTL Group habe von der Erholung der TV-Werbemärkte und dem Wachstum des Inhalte- und Streaming-Geschäfts profitiert, erläuterte die Sendergruppe. Zusammen mit Veräußerungsgewinnen habe dies zu einem Rekordergebnis von 929 Millionen Euro geführt. 745 Millionen Euro strich RTL nach eigenen Angaben an Buchgewinn aus dem Verkauf des US-Werbevermarkters SpotX ein.

Die Zahl der Abonnenten der Streaming-Dienste in Deutschland und den Niederlanden sei um 72 Prozent auf mehr als drei Millionen gestiegen, der Umsatz habe sich um ein Drittel auf 107 Millionen Euro erhöht. Der Gesamtumsatz der RTL Group kletterte in den ersten sechs Monaten um 13,7 Prozent auf drei Milliarden Euro.

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