Fünf Jahre nach Bin Ladens Tod

Der falsche Impfarzt muss büßen

Für die USA ein Held, für Pakistan ein Verräter: Der Arzt, der den USA half, Al-Qaida-Chef Osama bin Laden zu finden, sitzt seit 2012 in Einzelhaft.

Ein braunes Haus auf einer grünen Wiese, dahinter ein blau-grauer Himmel

In diesem Haus in Abbottabad lebte Osama bin Laden versteckt mit seiner Familie Foto: dpa

BERLIN taz | Mit einer Pseudoöffentlichkeitskampagne hat der US-Geheimdienst CIA am Montag den fünften Jahrestag der Tötung des Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden begangen. Unter dem Hashtag #UBLRaid veröffentlichte die CIA ein Twitter-Minutenprotokoll. Darin wird beschrieben, wie der Gründer des Terrornetzwerkes am 2. Mai 2011 von US-Spezialkräften in der pakistanischen Garnisonsstadt Abottabad erschossen wurde.

Weiter unklar bleibt, welche Rolle der pakistanische Arzt Schakil Afridi dabei spielte, den Aufenthaltsort des damals größten Feindes der USA zu ermitteln. Afridi hatte für die CIA ein Hepatitis-Impfprogramm vorgetäuscht, mit dem der Geheimdienst an das Genmaterial verdächtiger Personen kommen wollte, um bin Laden identifizieren zu können.

Afridi ist für Amerikaner ein Held, für Pakistans mächtiges Militär jedoch ein Verräter. Bisher ist auch unklar, was das Militär über bin Ladens Aufenthalt in der Garnisonsstadt wusste und ob es ihn nicht sogar dort versteckte.

Afridi wurde nach bin Ladens Tod 2012 wegen angeblicher Kontakte zu militanten Islamisten angeklagt. Das Urteil: 33 Jahre Gefängnis, später reduziert auf 23 Jahre.

Wäre er dafür angeklagt worden, der CIA beim Aufspüren bin Ladens geholfen zu haben, hätte das Verfahren womöglich ein Doppelspiel des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI (Inter-Services Intelligence) ans Licht gebracht.

US-Regierung hält sich bedeckt

Laut seinem von der pakistanischen Zeitung Express Tribune zitierten Anwalt darf dieser den in Einzelhaft sitzenden Afridi nicht mehr treffen. Ein Berufungsverfahren liegt auf Eis. „Ich habe keine Hoffnung ihn besuchen zu können, ich erwarte keine Gerechtigkeit,“ sagte Afridis Bruder Jamil der Nachrichtenagentur AFP.

Die US-Regierung, für die Afridi unschuldig inhafiert ist, schweigt. Das Repräsentantenhaus hatte die US-Hilfe für Pakistan um 33 Millionen Dollar gekürzt, eine Million Dollar pro ursprünglicher Haftdauer. Doch unklar ist, ob die US-Regierung hinter den Kulissen weiter auf Afridis Freilassung drängt.

Seit Bekanntwerden seines falschen Impfprogramms, für das Afridi auf den Namen der Hilfsorganisation Save the Children missbrauchte, greifen Pakistans Islamisten immer wieder Polio-Impfungen an. Dutzende als Spione und Handlanger des Westens denunzierte Impfhelfer und sie bewachende Polizisten wurden seitdem getötet. Die fast schon ausgemerzte Kinderlähmung breitete sich zwischenzeitlich wieder stark aus.

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