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Führerschein zum GassigehenHund schlägt Mensch

Im Tierheim einen Hund ausborgen und spazieren gehen? Ein echter Staatsakt. Eine Oma aus dem Altenheim leihen? Gar kein Problem. Gern auch zwei.

Niedlich, aber schwer zu kriegen: Hündchen Foto: Annette Riedl/dpa

M eine 17-jährige feministische Tochter Nermin ist eigentlich ein herzensguter Mensch. Ich weiß nicht, von wem sie das hat. Sie hat sich fest vorgenommen, unbedingt „einen süßen Hund“ aus einem Tierheim zu leihen. Ich habe nichts dagegen, solange ich nicht gezwungen werde, mit dem Köter Gassi zu gehen.

„Nein, Papa, das brauchst du nicht. Ich will nicht, dass dem armen Tier seelische Schäden zugefügt werden. Aber du musst mich natürlich bis zum Tierheim fahren.“

Dann sind wir auch schon da, und die verantwortliche Dame im Tierheim erklärt uns, dass Nermin einen Jahresbeitrag von 90 Euro zu bezahlen hat. Im Gegensatz zu Nermin bin ich damit nicht ganz glücklich.

„Aber Papa, das ist doch für die armen Tiere gedacht“, ruft sie.

„Ich weiß, an den armen Osman denkt sowieso niemand. Ich belle nicht, ich beiße nicht, trotzdem hat mich keiner lieb“, jammere ich und lege die schönen Scheine auf den Tisch.

Nermin soll außerdem ein 3-Tages-Seminar absolvieren, in dem ihr beigebracht wird, wie Hunde denken, empfinden und fühlen. Ich bezweifle stark, dass das was bringt, denn nach 17 Jahren hat meine Tochter immer noch nicht gelernt, wie ihr armer alter Vater denkt und fühlt. Dabei kann ich mich sprachlich viel besser ausdrücken als jeder Hund!

Nach einer Woche freut sich die verantwortliche Dame riesig, dass Nermin das Hundeexamen mit „sehr gut“ bestanden hat. Die Tochter freut sich, gleich alle Hunde sehen zu dürfen, um ihren Traumprinzen zu finden.

„Tut mir leid, mein Kind, das geht nicht“, sagt die verantwortliche Dame.

„Wieso denn nicht?“, fragt Nermin ziemlich geschockt.

„Wir haben hier eine sehr lange Warteliste. Sie haben noch 57 Leute vor sich, die alle schon lange darauf warten, einen unserer begehrten Hunde ausführen zu dürfen.“

„Das kann doch nicht wahr sein“, brüllt Nermin und fängt an zu heulen.

„Seit Wochen plage ich mich damit ab, die Voraussetzungen zu erfüllen. Ich war beim Seminar, ich war beim Psychologen, ich habe mich gegen Staupe impfen lassen. Was muss ich denn noch tun?“

„Ich vermute, acht bis neun Monate müssen Sie sich schon gedulden, mein Kind.“

Total frustriert stürzt Nermin aus dem Tierheim, und wir fahren wieder nach Hause.

Wenn ich schon keinen Hund ausleihen darf, dann möchte ich wenigstens eine Oma spazieren führen, ruft sie und springt heraus

„Papa, halt mal. Da vorne ist ein Altersheim. Wenn ich schon keinen Hund ausleihen darf, dann möchte ich wenigstens eine Oma spazieren führen“, ruft sie und springt heraus.

„Nermin, du hast doch gesehen, wie schwierig es ist, einen Hund auszuborgen. Einen Menschen werden sie dir nie erlauben!“

Aber die Leiterin des Altersheims sagt ganz gelassen:

„Da sitzen sie alle. Sie können sich eine aussuchen, die Ihnen gefällt.“

„Wie? Kann meine Tochter sich sofort eine aussuchen? Muss sie nicht vorher Papiere unterschreiben, eine Schulung oder Impfungen machen?“, frage ich überrascht.

„Mein Gott, jetzt machen Sie doch kein Staatsakt daraus. Nehmen Sie schon eine Oma mit – oder zwei!“

„Wie lange darf ich mit der Oma spazieren gehen?,“ strahlt Nermin höchstglücklich.

„Solange Sie wollen. Wenn Sie keine Lust mehr haben, stellen Sie sie einfach wieder vor die Tür.“

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