Fuck-Up-Night zur Geno-Versammlung : Pleiten, Pech und Pannen beim Protest
Fehler können lehrreich sein – und lustig. Zur Geno-Versammlung lud die taz drei Aktivist*innen zur einer „Fuck-Up-Night der Bewegungen“ ein, um einen linken Lernprozess anzustoßen.
Foto: Anke Phoebe Peters
taz Genossenschaft | Wann ist dir mal eine richtig große Panne passiert? Eine Veranstaltung oder Aktion, bei der ordentlich was auf dem Spiel stand — und die schiefgegangen ist oder zumindest beinahe schiefgegangen wäre? Und: Was hast du daraus gelernt?
Diese Fragen stellen sich seit Jahren schon Start-up-Gründer*innen bei sogenannten „Fuck-up-Nights“, frei übersetzt: „Verkackt-Nacht“. Sie tun das auf der Bühne, geben ihre Fehler zu und berichten, was sie seitdem anders machen. Aber warum sollen nur windige Unternehmer*innen aus ihren Pannen lernen? Am Freitagabend vor der taz-Genoss*innenschaftsversammlung haben wir deshalb die taz-Genoss*innen eingeladen, von denen knapp 70 die taz Kantine füllten, und drei Aktivist*innen — zu einer Fuck-Up-Night der Bewegungen.
Da war Sina Reisch, die 2019 Pressesprecherin von Ende Gelände war. Während Besetzungen und Blockaden der Klima-Aktivist*innen im rheinischen Revier sollte sie eigentlich immer ansprechbar für Journalist*innen sein. Aber als sie sich nach zwei langen Tagen mit ihren Freund*innen traf, fand sie sich plötzlich auf der falschen Seite eines Polizeikessels wieder. Reisch erzählte eindrücklich vom Spaß auf der Blockade und dem Schock, als sie merkte, dass sie ihren Job nicht machen konnte.
Waren soziale Bewegungen je erfolgreich?
Julian Miethig wollte einfach nur eine Gulaschkanone für den Köthener CSD auf den Marktplatz stellen. Aber er verscherzte es sich mit der Bürgermeisterin — und brauchte einen Plan B. Miethig profitierte davon, in Köthen aufgewachsen zu sein: Gute Beziehungen zum Pastor und zur Polizei bewahrten ihn vor einem Reinfall.
Uwe Hiksch hatte schon reichlich Erfahrung als Friedensaktivist und in der Anti-Globalisierungs-Bewegung, als er 2015 eine Demonstration gegen das Freihandelsabkommen TTIP organisierte. Er wusste, die Demo würde groß werden — aber wie groß, das merkte er erst, als es schon zu spät war. In die Euphorie mischte sich Sorge vor einer Massenpanik.
Nach ihren Geschichten setzten sich die Aktivist*innen noch zu den Genoss*innen und sprachen mit ihnen im tazlab-bewährten Küchentisch-Format. An Uwe Hikschs Tisch entsponn sich eine Diskussion darüber, ob soziale Bewegungen jemals wirklich erfolgreich waren. Mit Sina Reisch sprachen die Genoss*innen über Klima-Journalismus. Und Julian Miethig erzählte davon, wie zwiespältig das Verhältnis vieler queerer Menschen in Sachsen-Anhalt zur Polizei ist.
Der genaue Inhalt der Küchentisch-Gespräche bleibt zwischen den Aktivist*innen und den Genoss*innen. Aber wer die Fuck-up-Night der Bewegungen verpasst hat, kann die Geschichten der Aktivist*innen in gekürzter Form online nachlesen.
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