: Frieden ohne Waffen
■ Protest gegen Nato-Schläge: 400 Schüler ziehen zur Julius-Leber-Kaserne im Wedding
Als Demonstranten gegen die Nato-Luftschläge in Jugoslawien hatten es die rund 400 SchülerInnen nicht leicht. „Ihr seid doch alles Serben“, schrie ihnen ein rotgesichtiger Mittvierziger entgegen. Robert Hampe gab sich unbeeindruckt. Der Schüler des Marzahner Mahatma-Gandhi-Gymnasiums ging weiter, im Parka in ausgewaschenem Tarngrün, darunter ein T-Shirt mit dem Brecht-Zitat „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Doch im Kosovo soll die Nato nicht kämpfen. Dafür schwänzte der 14jährige gestern die Schule. Wie fast alle anderen, die gestern dem Demo-Aufruf der grünen Abgeordneten Judith Demba folgten und mit dem Transparent „Frieden schaffen ohne Waffen“ vom Leopoldplatz zur Julius-Leber-Kaserne zogen.
Nach Alternativen zu den Nato-Bomben gefragt, waren die Meinungen unter den SchülerInnen jedoch geteilt. „Bomben sind keine Unterstützung für die Albaner im Kosovo“, sagt Robert Hampe. Es sei erschreckend, wie stolz sich deutsche Politiker über den Bundeswehreinsatz äußerten. „Ob es für die Kosovo-Albaner besser wird, wenn keine Bomben mehr fallen, weiß ich aber auch nicht.“
Die 17jährige Irene Puczka glaubt dagegen: „Ich als Schülerin muß keine Lösungsvorschläge für das Kosovo haben.“ Zum Krieg habe die Gewaltandrohung der Nato während der Vertragsverhandlungen beigetragen. „Nun aber die Bomben als friedensbringende Maßnahme zu bezeichnen, ist eine dreiste Lüge.“
Nach der Abschlußkundgebung vor der Julius-Leber-Kaserne bleiben vom Protest der Schüler nur Kreidespuren. Menschliche Umrisse auf dem Asphalt, die die Toten in Jugoslawien symbolisieren sollen. zel
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