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Foodimporte aus AustralienFrüher Foster’s, heute Flat White

Was kann man kulinarisch von einem Land erwarten, dessen Nationalgericht streichbare Hefe auf Toast ist? Nun – ein bisschen hat Australien zu bieten.

Der Flat White aus Australien hat es zumindest in die Hipstercafés der Großstädte geschafft Foto: Lukas Koch/imago

A ls ich in den 1990ern mit dem Biertrinken begann, gehörten dunkelblaue Dosen mit einem großen roten F zu den Sorten, die ich in jedem Kiosk fand. Es handelte sich um Foster’s, Werbeslogan: „Australian for Beer“, und es muss eine zeitlich begrenzte Exportoffensive gewesen sein, denn ich habe Foster’s mittlerweile schon lange nicht mehr gesehen.

Die Dosen blieben für eine lange Zeit das einzige aus Australien stammende Essen oder Trinken, das mir in Deutschland unterkam, sieht man mal von der obligatorischen australischen Shiraz-Flasche im Supermarktweinregal ab. Auch der Satz: „Heute gehen wir mal zum Australier, ist immer so lecker da“, gehört nicht zum deutschen Standardrepertoire. Selbst in Berlin habe ich keine australischen Restaurants oder Cafés gefunden, und die wenigen, die das Internet kennt, haben längst wieder dichtgemacht.

All das sagt eventuell etwas über die Qualitäten australischen Essens aus. Doch was soll man auch von einem Land halten, dessen Nationalgericht Vegemite on Toast ist, also quasi streichfähige Hefe? Andere beliebte und originär australische Snacks wie die Chiko Roll (eine Art frittierte Frühlingsrolle mit Hühnchen) klingen ebenfalls nicht so, als hätte der Rest der Welt viel verpasst.

Golden Gaytime dürfte es gern auch in Deutschland geben

Das trifft schon eher auf einige australische Süßigkeiten zu, etwa Lamingtons, kleine Biskuitwürfel mit Schokoladenüberzug, in Kokosstreuseln gebadet. Oder die Eissorte mit dem großartigen Namen Golden Gaytime, sie ist geformt wie ein Magnum-Eis, hat innen eine extra Toffeeschicht und ist außen mit Kekskrümeln bedeckt. Die dürfte es von mir aus gerne mal auch in Deutschland geben. Genau wie übrigens auch all das, was als Bushfood bezeichnet wird: Rezepte und Zutaten, die die Aboriginals schon seit Jahrtausenden nutzen und die in Australien gerade endlich auch den Einzug in die gehobene Restaurantküche finden.

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Ein Getränk hat es indes bereits vom anderen Ende der Welt zu uns geschafft oder zumindest in die Hipstercafés der Großstädte, und wieder fängt es mit F an: Gemeint ist der Flat White, eine der unzähligen Kaffee-Milch-Schaum-Variationen dieses Planeten. Dazu isst man am besten ein Stück Pavlova, eine kleine geile Schweinerei aus Baisermasse, Sahnecreme und Früchten, die seit einigen Jahren ebenfalls im Trend liegt.

Die Erfindung von Flat White und Pavlova beansprucht allerdings Australiens Nachbar Neuseeland ebenso für sich – also aufgepasst, da kann man sich im Urlaub schnell unbeliebt machen! Das klappt übrigens auch, wenn man Foster’s als australisches Nationalbier bezeichnet. Denn, so habe ich bei der Recherche für diesen Text gelernt, in Australien trinkt kaum jemand Foster’s. Die erfolgreichsten Marken heißen Great Northern, Carlton Dry und XXXX Gold. Na dann: Cheers, Mate!

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Michael Brake
wochentaz
Jahrgang 1980, lebt in Berlin und ist Redakteur der Wochentaz und dort vor allem für die Genussseite zuständig. Schreibt Kolumnen, Rezensionen und Alltagsbeobachtungen im Feld zwischen Popkultur, Trends, Internet, Berlin, Sport, Essen und Tieren.
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