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Finale vom Afrika-CupTriumph im Chaos

Senegal siegt in einem von Tumulten geprägten Finale dramatisch über Gastgeber Marokko. Dessen Star Brahim Diaz wird zum tragischen Helden.

Der schicksalhafte Moment: Brahim Díaz schickt sich an, den verunglückten Elfmeter zu schießen Foto: Youssef Loulidi/AP/dpa

Aus Rabat

Olaf Jansen

Was für ein Finale! Senegal triumphierte am späten Sonntagabend zum zweiten Mal beim Afrika-Cup, schlug Gastgeber Marokko nach Verlängerung mit 1:0. Doch hinter den nüchternen Zahlen steckte ein großes Drama. Das Endspiel des 35. Afrika-Cups stand kurz vor dem Abbruch: Es erlebte Tumulte und körperliche Auseinandersetzungen auf dem Rasen, Schlägereien zwischen Fans und Ordnern und fand schlussendlich doch noch einen sportlichen Sieger. Zurück blieb ein geschundener Finalverlierer Marokko und mit Brahim Diaz ein Fußballer, der zum Held seiner Nation hätte werden können. Der am Ende aber einer der größten Verlierer war, die der Cup gesehen hat.

90 Minuten lang hatten sich Gastgeber Marokko und Senegal im schaurig kalten Prince Moulay Abdellah Stadium von Rabat ein hochklassiges Finale geliefert, doch es stand 0:0. Dann wurde es dramatisch. Und Schiedsrichter Jean-Jaques Ndala geriet in den Mittelpunkt des Geschehens. Zunächst verweigerte er Senegal in der Nachspielzeit einen Treffer wegen eines angeblichen Foulspiels, anschließend entschied er auf der anderen Seite aufgrund eines leichten Haltens auf Elfmeter für Marokko.

Auf den Rängen waren die senegalesischen Fans außer sich, Dutzende übersprangen die Barrieren und legten sich mit den Ordnern an. Die westafrikanischen Spieler verließen den Platz, kamen erst nach 20 Minuten und Intervention ihres Kapitäns Sadio Mané zurück.

Den Elfmeter gab’s trotzdem. Und es trat an: Brahim Diaz. Doch der Star von Real Madrid, der Team Marokko mit schon fünf Turniertreffern maßgeblich den Weg ins Finale geebnet hatte, versagte vom Punkt. Allzu lässig wollte er den Ball in die Tormitte lupfen – was Senegals Keeper Edouard Mendy geahnt hatte. Der Keeper konnte locker parieren. Die Partie musste in die Verlängerung.

Senegal obenauf

Was dort passierte, war im Grunde genommen vorgezeichnet: Senegal war bei mittlerweile strömendem Regen obenauf, Marokkos Akteure brauchten Minuten, um sich einigermaßen zu sammeln. Das westafrikanische Team, die „Löwen von Teranga“, wie sie genannt werden, nutzte dies: In der 94. Minute stieß Pape Gueye von halblinks durchs Mittelfeld und zielte aus rund 16 Metern Torentfernung ganz genau. Sein Linksschuss schlug unhaltbar für Marokkos Keeper Yassine Bounou rechts oben im Winkel ein – Senegal führte mit 1:0.

Diesen Vorteil gab das Team um Sadio Mané nicht mehr aus der Hand. War Brahim Diaz der tragische Held dieses Finals, avancierte Mané zum Glückshelden. Mit seiner besonnenen Reaktion und der Initiative, die Teamkollegen aufs Feld zurückzuholen, ebnete er Senegal erst die Chance, dieses verrückte Spiel tatsächlich noch auf seine Seite zu ziehen.

Nach 2022 – damals schlug man Ägypten im finalen Elfmeterschießen – sicherte sich Mané so gemeinsam mit seinen Kollegen von der „Goldenen Generation“ s seinen zweiten Afrikameistertitel. Der 33 Jahre alte Angreifer, der beim FC Liverpool zum Weltstar geworden ist und nach einem unglücklichen Jahr beim FC Bayern München seit 2023 für Al Nassr in Saudi-Arabien spielt, hatte schon vor dem Endspiel angekündigt, dass dieses das letzte Afrika-Cup-Spiel in seiner Karriere sein würde. In zwei Jahren, beim Turnier 2027, das in Uganda, Kenia und Tansania ausgetragen wird, möchte Mané nicht mehr dabei sein.

Das Aus in der Nationalmannschaft ist aber beileibe noch nicht gleich anberaumt. Im kommenden Sommer wird Mané mit seinen Teamkollegen erst noch die Weltmeisterschaft spielen. Ebenfalls wie Marokko übrigens, das sich beim Afrika-Cup auf heimischem Boden eigentlich nur hatte warmspielen wollen für das große Weltturnier.

Marokkos Unterschiedsspieler

Den Afrika-Cup hatte man in Marokko als Top-Favorit quasi im Vorbeigehen mitnehmen wollen, was bis zum Finale auch ganz gut klappte. Das Team, das seit seinem Halbfinaleinzug bei der WM 2022 in Katar als aktuell bestes des afrikanischen Kontinents gilt, spielte zwar selten brilliant, setzte sich aber bis zum Endspiel hin sicher durch und machte einen zunehmend stabilen Eindruck. Mit einem Unterschiedsspieler in den Reihen, der sich erst im Oktober 2024 überhaupt dafür entschieden hatte, für Marokkos Nationalteam spielen zu wollen.

Brahim Diaz – im spanischen Malaga geboren – hat eine spanische Mutter und einen marokkanischen Vater. In seiner Jugend lief er für die Nachwuchs-Nationalmannschaften Spaniens auf, für das A-Team absolvierte er sogar ebenfalls ein Testspiel. Doch dann entschied er sich – weil ihn Trainer Regragui überzeugte – zum Teamwechsel. Beim Turnier entwickelte er sich zum entscheidenden Mann Marokkos, hätte zum Helden werden können. Es gelang nicht. Senegal triumphierte und neben Marokkos Niederlage blieb ein schaler Beigeschmack.

„Es wurden wieder einmal Zeichen von chaotischen Verhältnissen in Afrikas Fußball in die Welt hinausgetragen“, sagte Sadio Mané nach dem Spiel. Und Marokkos Trainer Regragui meinte: „Dieses Spiel war eines Finales unwürdig. Was Senegal zwischendurch getan hat, war nicht in Ordnung. Dass Diaz den Elfmeter so geschossen hat, wie er ihn geschossen hat, damit müssen und werden wir leben.“ Brahim Diaz sagte nach dem Spiel: nichts. Er nahm mit traurigem Blick die Trophäe für den besten Torschützen des Turniers entgegen. Und ging.

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