Fashionistas im Internet: Old is gold
Im Netz sind hippe Omas und Opas plötzlich der neue heiße Scheiß. „Wunderbar mit Silberhaar“? Besonders langlebig wird das wohl nicht sein.
Die Haare Marilyn-gleich geföhnt, der Schmollmund rot und das Halstuch elegant umgebunden schlendert die Frau über den Zebrastreifen. Schick ist sie. Aber auch alt. So richtig schlagermusik- und spitzengardinenalt. Der Instagram-Account von Marta Wilkosz, einer Berliner Fotografin, bringt Omas und Opas als Fashionistas ins Web.
Das kennt man dort nicht, das ist neu! Zwar sind 21,3 Prozent der Bevölkerung über 65, doch im Netz sind „die Alten“ noch eine unbekannte Spezies. Warum?
Verschwinden Menschen irgendwann vom Radar, verschmelzen in einer homogenen Masse aus Beige-Tönen? Sind wir deshalb so verblüfft über die neuen Streetstyle-Fotography-Objekte? Ja. Alter, Armut, Krankheit und Tod sind unsexy. Aber man kann auch im Spätherbst seines Lebens geil aussehen!
Doch die von der Industrie ins Totenreich Gebrandmarkten stellen sich selbst selten ins Rampenlicht, posten keine Selfies oder twittern Rollator-Unfälle. Selbst der „älteste Hipster der Welt“, der 70-jährige Günther Krabbenhöft, sagt, er habe Angst, Türsteher würden ihn mit „Geh du besser ins Altersheim“ abweisen. Seit seinem Internet-Hype kommt er allerdings umsonst ins Berghain!
Heißt der neue Trend am WWW-Himmel also „Wunderbar mit Silberhaar“? Erfahren die Alten ein Comeback? Natürlich nicht, auch wenn’s nachhaltig wäre: Werden doch auch die mit Selfie-Stick mal Zahnprothesen tragen. Nein, die Beliebtheit solcher Blogs gehört eher in die Kategorie „Zootiere“. Gerade sind die alten Stylischen fresh, morgen sind’s vielleicht wieder kleine Hunde, denen man Klamotten angezogen hat. Schade.
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