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Kakao-MarktFairtrade-Schokolade auch bei hohen Preisen begehrt

Die Deutschen haben 2025 viel Fairtrade-Schokolade gekauft, obwohl sie recht teuer war. Zuletzt kam der Preissturz – ein Problem für die Produzenten.

Kakao-Anbau in Peru. Für die Bauern ist der niedrige Weltmarktpreis ein großes Problem Foto: Depositphotos/imago

Claudia Brück weiß, wo die Zuwächse für Fairtrade-Kakao herkommen. „Es sind die Fairtrade-Eigenmarken der großen Supermarktketten, die uns in der Phase der hohen Kakaopreise auf dem Weltmarkt haben wachsen lassen“, erklärt die Vorstandsfrau von Fairtrade Deutschland.

99.000 Tonnen Kakao mit dem Fairtrade-Logo wurden im vergangenen Jahr importiert. Ein Plus von 11,7 Prozent weist die Statistik für das Jahr 2025 nach vorläufigen Zahlen aus und einen Marktanteil von 21 Prozent. In diesem Jahr könnten die Mengen weiter steigen, hofft Brück.

Dafür sind die Voraussetzungen gut, denn nach zwei Jahren des Preisbooms stürzte der Börsenpreis von bis zu 12.000 US-Dollar auf derzeit rund 3.277 US-Dollar für eine Tonne Kakao ab. Bessere Ernten in Ghana und der Elfenbeinküste, den beiden größten Lieferanten von Kakaobohnen, sorgen für das Ende der Hochpreisphase, die den Weltmarkt die letzten beiden Jahre in Atem gehalten hatte.

Das ist positiv für die Konsumenten, denn bei anhaltend niedrigen Börsenpreisen sollte Schokolade auch in den Geschäften wieder billiger werden. Aber was bedeutet es für die Produzenten?

Preisabsturz mit Folgen

Im Norden Perus, in der Region von Piura, läuft derzeit die Ernte. Eduardo Espinoza, Kakaoexperte des Genossenschaftsverbands Norandino, macht sich Sorgen. „Der Einbruch des Weltmarktpreises ist eine beispiellose Talfahrt. Für uns hier in der Region deckt der aktuelle Preis nicht die Produktionskosten. Wir benötigen rund 6.000 US-Dollar pro Tonne“, so Espinoza.

Das hat Gründe: Im Dorf La Quemazón hat kaum ein Produzent mehr als einen Hektar Anbaufläche für Kakaobäume und die Erträge liegen in etwa bei rund 600 Kilogramm Bio-Kakao pro Hektar. „Mehr ist bei unseren Produktionsbedingungen nicht drin“, bekräftigt Espinoza. Die sind geprägt von Wasserknappheit in der trockenen Region und vom Mangel an geeigneten Anbauflächen – fruchtbare Böden sind knapp.

Allerdings kommt aus dem Bezirk Juan de Bigote mit dem Dorf La Quemazón Cacao Blanco ein weißer und geschmacklich aufregender Kakao mit hoher Nachfrage aus dem Gourmetsegment im Kakaomarkt. Das gilt auch für den Kakao Chuncho aus der Region von Cusco und für andere Edelkakaos aus Peru, die oft separat und zu ganz anderen Preisen auf dem Weltmarkt gehandelt werden als die Durchschnittsware.

Das gibt auch Espinoza zu, der regelmäßig mit nationalen und internationalen Chocolatiers verhandelt. „Hier im Norden Perus herrscht Verunsicherung. Nach zwei Jahren mit hohen Preisen, guten Einnahmen, die es ermöglicht haben, wieder in die Farmen zu investieren, droht jetzt wieder eine Phase mit Preisen am Rande oder unter den Produktionskosten. So wie in der Vergangenheit“, fürchtet Espinoza.

Für ihn ist der Fairtrade-Preis von derzeit 3.500 US-Dollar pro Tonne Kakao plus Prämie von 275 US-Dollar und dem Biozuschlag von 450 US-Dollar zu knapp bemessen. „Das ist nicht mehr als ein Sicherheitsnetz für die kleinen Produzenten“, meint Espinoza. Der Fairtrade-Preis sichere auf niedrigem Niveau ab. Das sei positiv, aber für Kleinbauern mit geringen Erntemengen in Bioqualität oft zu wenig.

Bei Norandino, einer relativ großen Genossenschaft mit rund 700 Kakaobauern in mehreren Regionen Perus, trifft das auf das Gros der Produzenten zu. Rund 70 Prozent des Kakaos geht fairtrade- und biozertifiziert aus der Lagerhalle im Industriegebiet von Piura.

Dort hat auch Kakaoexperte Jan Schubert von Original Beans, einer deutsch-niederländischen Edelmarke mit fairen und zugleich nachhaltigen Strukturen, regelmäßig zu tun. Er bezieht Kuvertüre bei Norandino, zahlt für die exzellente Qualität deutlich höhere Preise und kalkuliert angesichts der Börsenrutsches derzeit auch die Ankaufpreise neu.

„Wir orientieren uns bei unserer Kalkulation auch an den Lebenshaltungskosten und die sind stark gestiegen – zum Beispiel in Kolumbien“, so Schubert. Genau das ist auch ein wesentlicher Punkt, warum der Kakaoexperte Friedel Hütz-Adams vom Bonner Südwind-Institut seit Jahren dafür wirbt, nicht dem Weltmarkt alles zu überlassen, sondern sich auf Mindest- und Einstiegspreise je Region zu verständigen. Er begrüßt, dass Fairtrade den Ankaufpreis nach oben angepasst hat, hält die Richtung für richtig, allerdings die Höhe für nicht ausreichend.

Markt im Wandel

Bei Fairtrade Deutschland wird das zur Kenntnis genommen, aber auch darauf verwiesen, dass der Markt sich wandelt. So sind in Europa, wo rund 50 Prozent der weltweiten Kakaoernte landet, die vermahlenen Kakaomengen leicht rückläufig.

Alternative Produkte auf Basis von Schokoladenaromen gewinnen ebenfalls an Bedeutung auf dem Markt. Das war auch auf der Internationalen Süßwarenmesse Ende Januar in Köln nicht zu übersehen, wo eine ganze Reihe von Herstellern auf Kakaoaromen aus Sonnenblumenkernen und anderen pflanzlichen Produkten setzen.

Darauf weist auch Claudia Brück aus dem Vorstand von Fairtrade Deutschland hin, die durchaus Verständnis hat, dass der Fairtrade-Preis einigen Experten zu niedrig ist: „Wir arbeiten an einer Strategie für existenzsichernde Einkommen in den Lieferländern von Kakao.“

Das ist für Friedel Hütz-Adams auch nötig, denn die Bedingungen in den beiden wichtigsten Lieferländern, Ghana und Elfenbeinküste, sind schwierig – unter anderem, weil die Märkte staatlich reguliert sind und über Jahre kaum in die Plantagen investiert wurde.

Überalterung der Kakaobäume ist ein Problem, und in beiden Ländern sollte in die Verjüngung der Plantagen investiert werden. So heißt es im Konzept der Fairtrade-Strategie, die nachhaltige Anbaumethoden und langfristige Handelspartnerschaften fördert. Ob das reichen wird, um den Markt weniger volatil und besser kalkulierbar zu machen und kalkulierbarer, wird sich zeigen.

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