Fahrrad-Demo in Tempelhof: Radeln gegen die Langsamkeit

Schon lange fordern RadfahrerInnen in Tempelhof-Schöneberg mehr Sicherheit. AktivistInnen machen dafür alle Ebenen der Verwaltung verantwortlich.

Fahrradspur auf dem Tempelhofer Damm

Grade geht's: temporäre Rad- und Busspur auf dem T-Damm Foto: IMAGO / A. Friedrichs

BERLIN taz | Die FahrradaktivistInnen in Tempelhof-Schöneberg haben es satt: Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten rufen sie zu einer Raddemo auf, um sichere Verkehrsanlagen auf dem Tempelhofer und dem Mariendorfer Damm zu fordern. Mit deren Einrichtung auf dem Tempelhofer Damm sollte eigentlich längst begonnen worden sein, allerdings hakt die Planung an allen Ecken und Enden.

Die Fahrraddemo soll am Samstag um 11 Uhr im „familienfreundlichen Tempo“ vom Rathaus Tempelhof zur Senatsverkehrsverwaltung Am Köllnischen Park in Mitte führen. Die Route soll verdeutlichen, dass alle Verwaltungsebenen für die Verschleppung mitverantwortlich sind.

Die Verkehrssituation auf der Nord-Süd-Strecke gilt seit Langem als extrem problematisch. Spätestens seit 2008 eine 14-jährige Radfahrerin auf dem Tempelhofer Damm von einem Lkw getötet wurde, war für viele im Bezirk klar, dass sich etwas ändern muss. Jahrelange Proteste gipfelten allerdings erst 2017 in einem Einwohnerantrag zur Umgestaltung des „T-Damms“, der von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen wurde. Seitdem läuft ein Planungsprozess inklusive Bürgerbeteiligung, der durch Personalknappheit im Bezirksamt und die Pandemie erneut ausgebremst wurde.

Eine temporäre Lösung à la Pop-up-Radspuren verwarf das Bezirksamt. Ohnehin soll der Umbau zunächst nur ein „Verkehrsversuch“ bis 2025 sein – dann nämlich müssen die Wasserbetriebe die maroden Leitungen unter dem Straßenzug erneuern.

Auf viele BeobachterInnen wirkte es wie Ironie, dass es Anfang April plötzlich doch möglich war, in kürzester Zeit die parkenden Autos vom T-Damm zu verbannen und provisorische Bus- und Radspuren zu markieren: Die kurzfristige Anordnung von Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten an der U 6 überraschte nach eigener Aussage sogar die für Verkehr zuständige Bezirksstadträtin Christiane Heiß (Grüne).

Ab Oktober wieder gar nichts?

Bis zum 7. Oktober werden sich die Arbeiten mit Unterbrechungen im Sommer ziehen, und dann – wird womöglich alles wieder zurückgedreht. Stefan Gammelien, sowohl in der Bezirksgruppe des Fahrradvereins ADFC als auch beim Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg aktiv, sieht gleich mehrere Hemmnisse für die eigentliche Umgestaltung: Vor allem sei unklar, wer die Bauherrenfunktion übernehme, nachdem Tempelhof-Schöneberg erfolglos versucht hatte, die Aufgabe der Verwaltung von Senatorin Regine Günther (Grüne) zu übertragen.

„Der Bezirk kann es nicht mit eigenen Kräften, der Senat lehnt es ab, eigene Kräfte hierfür einzusetzen“, so Gammelien. „Dieses Pingpongspielen führt zu Patt und Stillstand.“

Selbst ohne diese Unklarheit wäre man schon knapp dran, so der Fahrradaktivist zur taz: Das Ausschreibungsprozedere dauere erfahrungsgemäß Monate. Außerdem würden Ampelumprogrammierungen fällig, für die in Berlin der Generalunternehmer Alliander zuständig ist. Der habe schon öfters bewiesen, dass er solche Maßnahmen nur unter größtem Druck zeitnah ausführe.

Dass die Sicherheit für RadfahrerInnen in der ganzen Stadt ein weiterhin ungelöstes Problem ist, zeigte sich derweil bei einem schweren Unfall am Freitagmorgen: Auf der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg erfasste ein Betonmischer beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin und klemmte sie ein. Die Schwerverletzte wurde von einem Notarzt in eine Klinik gebracht.

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