FC Bayern und Wirecard: „Mehr Glück als Verstand“

Der FC Bayern wollte offenbar trotz Betrugs­ver­dachts Wirecard als Sponsor haben. Die Pleite des Unternehmens kam dem Deal zuvor.

Das Konzernlogo von Wirecard über einer Reihe von Lichtern

Hätten da rote Laternen angehen müssen beim FC Bayern? Foto: Peter Kneffel/dpa

Einen weiteren Imageschaden hat der Verein, der Nachtflugverbot und normal­sterbliche Behandlung als „Skandal ohne Ende“ sieht, offenbar so gerade abgewendet. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung wollte der FC Bayern sich ab Juli 2020 eine Sponsoring-Partnerschaft von dem nun insolventen Finanzdienstleister Wirecard finanzieren lassen. Sieben Millionen Euro wollte Wirecard den Bayern dafür drei Jahre lang zahlen.

Noch am 10. Juni kursierten dazu E-Mails zwischen dem Finanzkonzern und der Führungsetage des FC Bayern; und laut Wirecard-Unterlagen war im Mai ein exklusives Treffen zu Hause bei Uli Hoeneß geplant, so berichten WDR und NDR. Unklar ist, ob es dazu kam. Am 18. Juni dann fiel das Kartenhaus des mutmaßlichen Milliardenbetrugs bei Wirecard zusammen, es folgte die Verhaftung des Unternehmenschefs und die Insolvenz.

Der inzwischen insolvente Konzern hat Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem „gewerbsmäßigen Bandenbetrug“ seit dem Jahr 2015 aus. Schon 2019 berichtete die Financial Times über mutmaßlichen Betrug; das war auch dem FC Bayern bewusst, der, wie die Unterlagen zeigen, um einen Call zum Thema bat. Und trotzdem die Partnerschaft eingehen wollte. „Hoeneß & Co. hatten offenbar mehr Glück als Verstand“, schreibt die SZ.

Außerdem war Ende 2019 mit den Basketballern des FC Bayern eine Partnerschaft über 1,5 Millionen Euro abgeschlossen worden. Sie wurde, so WDR und NDR, just an dem 5. Juni verkündet, als Staatsanwälte erstmals die ­Wirecard-Zentrale durchsuchten.

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