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Ex-Fed Chef Greenspan gestorben„Mr Dollar“ ist tot

Zur Freude linker Ökonomen: Alan Greenspan stand unter vier Präsidenten an der Spitze der US-Notenbank Fed – und prägte die Geldpolitik weltweit.

Alan Greenspan ist wohl der bekannteste amerikanische Notenbanker, zeitweilig war er auch der populärste. Das lag unter anderem an seinen markigen Sprüchen. Zum Beispiel „Geld regiert die Welt“. Mit dieser Leitidee machte Greenspan die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) zu einer Ikone der Börsen und der Zentralbanken des Globalen Nordens.

Je nach Standpunkt ist das Lob oder Ohrfeige für „Mr Dollar“. Der wortgewaltige „Green Speaker“, also der Sprecher des nach der Farbe der Banknoten genannten „Greenback“, führte die Fed von 1987 an über 18 Jahre lang und hinterließ mit seiner eigenwilligen Geldpolitik Spuren in der Weltwirtschaft wie wenige Politiker. Zeitweilig galt Greenspan sogar als mächtigster Mann der Welt: Durch den Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten schien die Macht des US-Dollars Anfang der 90er Jahre quasi uneingeschränkt. China war noch ein hoffnungslos erscheinendes Entwicklungsland.

Und Greenspan glaubte wie sein ebenbürtiger Nachfolger Ben Bernanke, der sich als Wissenschaftler ausführlich mit der Weltwirtschaftskrise beschäftigt hatte, an die Macht des Geldes. Es galt damals als entscheidende Lehre aus den 1930er Jahren, dass Notenbanken radikal antizyklisch re(a)gieren müssten.

Während die Fed ab 1929 tatenlos zugesehen hatte, wie Börsenkurse, Konjunktur und Beschäftigung in den Keller rauschten, schmiss Greenspan in jeder Krise die Notenpresse an. Um die Zeitenwende, etwa um 1990 herum, senkte er den Leitzins um rekordverdächtige sieben Prozentpunkte und pushte mit dem billigen Geld die US-Wirtschaft – bis sie heiß lief.

Clinton nominierte ihn zweimal

Eine Geldpolitik, die wirtschaftsliberale Ökonomen durchaus verärgerte. Im Januar 2006, kurz bevor die Weltfinanzkrise ausbrach, war für Greenspan Feierabend. Er hatte die Vereinigten Staaten durch zwei Rezessionen, einen zehnjährigen Rekordaufschwung der Wirtschaft und eine beispiellose Börsenrallye geführt.

Lange durchaus zur Freude keynesianischer, linker Ökonomen und des demokratischen Präsidenten Bill Clinton, der Greenspan zweimal erneut nominierte. Doch Greenspans Politik des billigen Geldes – nur zögerlich erhöhte er in Boomphasen die Leitzinsen wieder – blieb nicht ohne Kollateralschäden. In seiner Ära wuchsen die Finanzmärkte in bis dahin ungekannte Dimensionen: Spekulationen mit preiswert geliehenen Dollarmilliarden pumpten weltweit gefährliche Blasen in Banken und Immobilienmärkten auf.

Die 2009 von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Untersuchungskommission klagt Greenspan als einen Verantwortlichen für die globale Finanzkrise an. Allerdings war der Notenbanker dafür nicht verantwortlich, dass die Steuerpolitik versagte und es versäumte, die überbordenden Finanzgewinne wieder abzuschöpfen.

Mittlerweile funktioniert Geld in der Realwirtschaft nicht mehr wie zu Greenspans Zeiten. Mit der Euro-Notenbank EZB und der People’s Bank of China hat die Fed ernsthafte Konkurrenten erhalten. Heute fehlen den amerikanischen und europäischen Unternehmen die unberührten Märkte in Osteuropa und China, in die sich unter Greenspan der Kapitalismus ausdehnte.

Zudem hat sich die Realwirtschaft von der Geldflut der Fed emanzipiert. Das billige Geld gebiert nicht mehr eine Flut an Krediten, die in handfeste Investitionen fließen. Die Geldflut vergrößert heute vor allem Aktienkurse und powert Börsen und Finanzinvestoren wie Donald Trump. Dies könnte den neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der als Gefolgsmann von Trump gilt, beflügeln.

Der „größte Notenbanker aller Zeiten“, wie ein amerikanischer Senator Greenspan einst nannte, begann seine Karriere mit einem Musikstudium. Ab 1944 studierte der Sohn eines deutschstämmigen Börsenmaklers und Kantors an einer Synagoge, dann in New York Volkswirtschaft. Ein Doktorabschluss soll an fehlendem Geld gescheitert sein. Es folgte ein bewegtes Berufsleben: Wertpapierhändler, Analyst von Industriekonzernen und Berater von Präsident Richard Nixon im Weißen Haus. Es war der republikanische Präsident Ronald Reagan, der Greenspan zum Fed-Chef machte. Greenspan ist am Montag im Alter von 100 Jahren in Washington gestorben.

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