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Europa gegen TrumpMachtlos trotz Zoll-„Bazooka“

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Die Europäer sind wehrlos gegen den US-Präsidenten. Einen Handelskrieg mit Donald Trump würden sie verlieren. Nichtstun ist aber auch keine Option.

Düstere Zeiten: Einen Handelskrieg mit den USA können die Europäer nicht gewinnen Foto: Markus Tischler/imago

D ie USA befinden sich im Krieg mit Europa. Das hat noch nicht jede WählerIn in Europa verstanden, obwohl die Kriegserklärung des Weißen Hauses eindeutig war. Man muss nur Trumps neue „Nationale Sicherheitsstrategie“ lesen, um zu verstehen, dass Trump Europa unterwerfen und erniedrigen will. Es soll seinen Maximen gehorchen. Trump will auch Präsident von Europa sein.

Grönland ist dafür ein Symbol: Trump will die arktische Insel besitzen, also sollen Dänemark und Europa liefern. Punkt. Schon jetzt ist klar, dass es nicht bei Grönland bleiben wird. Trump wird immer wieder neue Forderungen an Europa stellen. Unter anderem ist er dagegen, dass die US-Konzerne eine europäische Digitalsteuer zahlen müssen. Auch wird Trump verlangen, dass der Kontinent schweigt, wenn er anderswo auf Eroberungstour geht. Schließlich will sich der US-Präsident auch noch den Panamakanal einverleiben. Danach vielleicht Kanada.

Trump kann Europa erniedrigen, weil der Kontinent tatsächlich schwach ist. Wir sind erpressbar, weil wir die USA als Exportmarkt benötigen, weil wir die Informationen der US-Geheimdienste brauchen und weil wir ohne den atomaren Schutzschild der USA ziemlich schutzlos wären. Es wird Jahre und Jahrzehnte dauern, diese Abhängigkeiten zu reduzieren. Und trotzdem muss Europa signalisieren: Bis hier und nicht weiter.

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Aktuell haben die Europäer nicht viel Drohpotenzial. Sie könnten zwar ihre Handels-„Bazooka“ auspacken und Gegenzölle von 93 Milliarden Euro verhängen. Aber ein derartiger Handelskrieg wäre für die EU sehr riskant, weil die europäische Wirtschaft ebenfalls leiden würde und Jobs verloren gingen. Eine Wirtschaftskrise würde noch dazu die Populisten stärken, zumal viele WählerInnen irrtümlich glauben, dass Grönland sie nichts anginge.

So zynisch es klingt: Vielleicht wäre es am besten, wenn die KI-Blase bald platzt. Dann wäre Trump in den USA auch bei vielen MAGA-Fans entzaubert – und die Welt hätte ihre Ruhe von diesem Möchtegernimperator. Die Wirtschaftskrise wäre allerdings heftig, auch in Europa.

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Ulrike Herrmann
Wirtschaftsredakteurin
Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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