Eskalation vor Hamburger Schule: Kinder attackieren Polizisten

Ein Beamter wollte Streit schlichten und fixierte einen 13-Jährigen am Boden. Daraufhin sollen ihn umstehende Schüler getreten haben.

Das Oberstufenhaus der Ida Ehre Schule.

Am Ende schickte die Polizei sieben Streifenwagen: Die Ida Ehre Schule in Hamburg-Eimsbüttel Foto: dpa / Daniel Reinhardt

HAMBURG taz | In den Medien war am Wochenende von einem Polizeieinsatz vor der Eimsbüttler Ida-Ehre-Schule zu lesen. „Schüler verprügeln Polizist – Senat reagiert hart“, titelte das Abendblatt, „Jugendliche greifen Polizisten vor Hamburger Schule an“, der NDR. Grundlage war eine Pressemitteilung der Polizei von Freitag, „Schüler greifen Polizeibeamten in Hamburg-Eimsbüttel an“. Der Beamte habe Streit zwischen zwei Jungen schlichten wollen und sei dabei angegriffen und „mehrfach gegen den Kopf getreten“ worden.

Der Polizist sei ein „Cop4U“, der im Schulumfeld tätig ist. Er war mit dem Rad unterwegs, trug einen Helm und blieb unverletzt. Laut Pressemitteilung der Polizei ging dem Handeln der Schüler eine Aktion des Polizisten voraus. Dieser fuhr am Donnerstag nachmittag in der Schlankreye Streife und bemerkte zwei Schüler, die sich „offensichtlich stritten“. Um sie herum habe eine Traube von Kindern und Jugendlichen gestanden.

Als der Beamte einschritt und die beiden trennte, habe ein Junge „vehement eine Hand unter seiner Jacke verborgen“, und sie trotz mehrfacher Aufforderung nicht gezeigt. Da der Polizist diesen 13-Jährigen kannte und nicht auszuschließen gewesen sei, dass er bewaffnet war, „fixierte“ der dessen Arme „aus Eigensicherungsgründen“, so die Polizei. Da habe der Junge um sich geschlagen, „sodass der Beamte ihn schließlich zu Boden bringen und dort weiterhin fixieren musste“.

Daraufhin hätten sich die umstehenden Kinder und Jugendlichen „auf hochaggressive Weise“ mit dem Festgehaltenen solidarisiert und den ebenfalls am Boden liegenden Polizisten bedrängt. „Aus der Gruppe heraus wurde er mehrfach gegen den Kopf getreten“, teilte die Polizei mit. Nur der Fahradhelm habe Verletzungen verhindert.

Nachdem sieben Streifenwagen hinzugekommen waren, sei die Stimmung aufgeheizt geblieben. Schüler hätten Polizisten „beleidigt, bespuckt und angegriffen“. Schließlich seien der Junge und zwei weitere Kinder (zwölf und 13 Jahre) mit zur Wache genommen worden. Sie sind nicht strafmündig, dennoch gibt es Ermittlungen.

Unverhältnismäßiger Polizeieinsatz?

Das Abendblatt berichtet in seiner Montagsausgabe von einer Videosequenz, die der Redaktion vorliege und zeige, wie der Polizist den Jungen fest am Boden hält. Im Hintergrund seien Schreie von Jugendlichen zu hören, die rufen „Hören Sie auf“ oder darauf hinweisen, dass der am Boden Liegende womöglich keine Luft bekomme. Schließlich sei am Bildrand, allerdings nur ungenau, zu sehen, wie offenbar einmal gegen den Helm des Beamten getreten wird.

Auf Nachfrage der taz räumt die Polizei ein, dass der 13-jährige Junge keine Waffe bei sich trug. Gefragt, ob die zwei Jungen sich nur stritten oder schon prügelten, gibt die Polizei folgende Schilderung: „Als der Beamte auf die Situation aufmerksam wurde, stand ein Jugendlicher mit dem Rücken an einer Gebäudemauer. Der Junge machte auf ihn einen verängstigen Eindruck.“ Der 13-Jährige habe dort in „augenscheinlich bedrohlicher Haltung“ vor ihm gestanden. Da sei der „Cop4U“ eingeschritten, um eine bevorstehende Eskalation zu verhindern.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) erklärte, „Gewalt wird weder in noch vor der Schule akzeptiert! Wir werden mit aller Konsequenz vorgehen“. Von der im Abendblatt zitierten „Härte“ dabei sprach er gegenüber der taz nicht. Die Leitung der Ida-Ehre-Schule schrieb an Eltern, sie bedauere den Vorfall. „Es entspricht unserem Leitbild, Gewalt abzulehnen.“ Laut Rabe analysieren nun alle beteiligten Stellen wie Schulaufsicht, Schulleitung, Gewältprävention und Schulpsychologen unter Hochdruck, wie es zu der Situation kam und welche Schlüsse zu ziehen sind.

Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Deniz Celik, sagte: „Wir sind gegen Gewalt. Aber dieser Vorfall muss aufgearbeitet werden mit Jugendpsychologen und Pädagogen“.

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