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Erste Erhöhung seit drei JahrenEZB hebt Leitzins an

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihren ‌Leitzins erstmals seit fast drei Jahren. Grund dafür ist vor allem die stark gestiegene ‌Inflation.

rtr Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihren ‌Leitzins wegen der stark gestiegenen ‌Inflation erstmals seit fast drei Jahren. Sie setzte den Einlagensatz am Donnerstag von 2,0 auf 2,25 Prozent herauf. Über ihn steuert der EZB-Rat maßgeblich seine Geldpolitik, auch die Tages- und Festgeldzinsen für Sparer orientieren sich daran. Befeuert von den infolge des Irankrieges erhöhten Energiekosten war die Teuerungsrate im Euroraum zuletzt mit 3,2 Prozent deutlich über das Ziel der EZB von 2,0 Prozent hinausgeschossen. Zuletzt hatte die Notenbank die Zinsen im September 2023 angehoben.

Experten hatten mit der geldpolitischen Straffung gerechnet. „Da die Inflation im Euroraum 3 Prozent überschritten hat und wenig Aussicht auf Entspannung im Irankonflikt besteht, ‌ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. Die EZB folge damit nur dem, was die Märkte schon eingepreist hätten. „Dieser Schritt soll ein Signal an die Finanzmärkte, aber auch an die Unternehmen und Haushalte sein, dass die EZB die Inflationsdynamik sehr genau im Auge hat“, sagte der Chefvolkswirt der deutschen Förderbank KfW, Dirk Schumacher.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für September mit einer weiteren Zinsanhebung. Höhere Zinsen können aber auch die Konjunktur dämpfen, da dadurch Kredite für Investitionen teurer werden. Gewerkschaften haben deshalb von einer Zinserhöhung abgeraten.

„Eine Zinserhöhung wäre in der gegenwärtigen Situation ein schwerer Fehler und würde die wirtschaftliche Erholung mutwillig noch weiter abwürgen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Stefan Körzell, zu Reuters. „Dabei brauchen Deutschland und Europa Wachstum und Stabilität dringender denn je.“ Das Bruttoinlandsprodukt der ‌Eurozone ist im ersten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft, womit der Währungsraum mit einem Bein in der Rezession steht.

„Dient der Glaubwürdigkeit“

Die EZB will unbedingt sogenannte Zweitrundeneffekte vermeiden, durch die sich die Inflation immer weiter in der Wirtschaft festsetzt: Wenn die Teuerung zu steigenden Löhnen und Preiserhöhungen von Unternehmen führt, ⁠könnten diese Effekte die Inflation über längere Zeit hochtreiben. „Eine Zinserhöhung wird den Ölpreis nicht senken“, betonte Lena Dräger vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Sie dient vielmehr dazu, die Glaubwürdigkeit der EZB im Kampf gegen die Inflation zu wahren und die Erwartungen zu stabilisieren, bevor sich der Schock dauerhaft festsetzt.“

Nach Beginn der Angriffe der USA ‌und von Israel auf Iran am 28. Februar sind die Energiepreise stark gestiegen. Die Zentralbank will verhindern, dass es wieder ⁠zu einem Inflationsschub kommt wie 2022, als Russlands Invasion in der Ukraine die Teuerungsrate auf zeitweilig über 10 Prozent steigen ließ. Die EZB stand damals in der Kritik – auch weil sie die Teuerungswelle zu lange ‌unterschätzt hatte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde und andere Vertreter der Zentralbank hatten in jüngster ‌Zeit klargemacht, dass die Zentralbank diesmal wachsamer sein werde. Dabei geht es auch um ihre Glaubwürdigkeit und ihr Mandat, für stabile Preise zu sorgen.

Die Inflationserwartungen der Verbraucher in den Euroländern sind wegen der gestiegenen ‌Energiepreise infolge des Irankriegs weiter hoch. In den kommenden drei ⁠Jahren erwarten sie eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,9 Prozent.

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